ross sutherland experiment

ross sutherland experiment 2

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kurze Texte zu den Gedichten von Ross Sutherland.

Text 6, zu “Experiment to Determine the Existence of Love”

Konstantin Ames schreibt hier. Kristoffer Cornils hier.

alle Texte von Stefan Mesch: [1. nude III] [2. Zangief] [3. try try try] [4. Branson] [5. Röntgen] [6. Experiment] [7. van Damme]

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erste Idee: das ist zu lang. und als Video schöner / sympathischer:

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Ross Sutherland: Experiment to determine the Existence of Love (Youtube)

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zweite Idee: ich lese dieses Gedicht als schnelle, eitle, spielerische und bewusst ausschweifende Gedanken- und Ideenburg, ehrgeizig, bunt, kleinteilig… aber beliebig und nicht sehr stabil. so (Link).

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dritte Idee: alle Worte der deutschen Übersetzung alphabetisch sortiert, mit diesem Programm:

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*rogueelements* 1 2 22 3 4 5 6 ab Alkohol Alle Alle alle als an an an Angst-Pufferzone anhaltend Ankreuzkästchenstimuli Ansagen Anstalten Anwendung Anwesenden Apparat Attrappe auf auf auf Aufriss auftauchen Auge ausgelöst ausgemusterte Ausrichtung Aussprache Auto Bad bedenklicher bedeutender Bein berühren bilden bin birgt Blickwinkel bloß blutet blutrote Brille Bräunungsstreifen Busfahrschein Bürgersteige Charlie da Dann Das das das das das das Das dass dass Daten Daten davon dazu deinem dem dem den den Der der der der der der Der der der der der der Der Der des Diagnose dicke die Die die die die die die Die die die die die die Die die Die die dieses Diskussion diskutieren Doppelstöckige drollige durch durch durchgeknallter eben ehe eher ein ein Ein ein Ein ein Ein ein eine einen einer einer eines einfach eingerechnet einzelnen Element Endstadium entworfen Entwurf er er Ergebnisse Ergebnisse Ernährung erröten erscheinen erst erste erwarteten erwiesen Es evident Existenz Experiment Experiment Experiment falls falsche fangen Fehleinschätzung fest Flussdiagramme flüchtige folgen fortgeschrittene funktioniert Funktionsvorgänge für für fürs Ganze geborstene gebracht gegen gehängt Geister gelöscht gemacht gerade gerichtet gescheitertes Geschwisterargwohn Glasauge glatthäutiges gleicht gleichwertig hebt hervor Herz Herzfraktal hier hinter Humber Hypothese hätte höchstwahrscheinlich ich Ich ich ihr ihrem im in in In indes Infolgedessen ins ins ist ist ist Jalapeno Jazz jedem jeder jeder jenseits John JPEGs kann Kein kein kein keine Kellners Kerzenwachs klinische Knöchel kommen Kommentar Kontrolldaten Kontrolle kratzende Kühlschränke L Laborergebnissen Lakshmi Laryngophone Leib lese letzten Leute Liebe Liebe Liebe Linie Luftfeuchte Mann meine Meinung Merke messgeschieberten Methode mindestens Minuten Minuten mit mit mit mit mit Mitternacht Mond Mundwasser Muss Nachbartisch Nacht Nachweis Nehmen neu Neugier nicht nicht Null Nur offensichtliche Organe paar Parabelkurve Parker Pfeile Poster prescht qua Reaktionsfähigkeit reitet Salm Salons Schaubild scheitert schlage schlechter Schlussfolgerung schneller Schnitt schnitten schob schreiben Schummrige schwarzes Schwein Schwein Seele sein selbst Selbstmordgedanken Serotoninreserven sich sich Sicherheitsvorkehrungen Sicht sie sie sind sind sind singt Skala so so Sodann Sodann sollen sollte Spaghetticode Spiegel Spiel Spiel Spirale stapeln Statistenrolle steigt Stifte subatomaren suche Säugling Süße Tag Tag Tausenden Testphase Theorie tief Tippex Toilettenschmierereien treffliche treiben tu Uhr Um und und Und und und und und uns unsere unsere unsere unserm unter unter unterblieben untilgbar unzulänglich Venn Verband Verbindungen verblichenes verblüffende verbunden verglichen Verminderter verseuchter vertrauenswürdig von von von vor vorerst Voruntersuchungen vorwiegend waren wartende Weg weg Weise werden werden werden widerspiegeln wie wie wie wie wie wieder Winter wir wir wir wir wir wir Wir Wirbel wird wird wissen Wissenschaft wohl würde würde würden zehn zehn zeigt Zeit zu zugeschrieben zum zur zur zurücktreibt zusammenstießen Zustand zwei zwei Zweifelsohne überleben überzeugenden überzeugt – „Yesterday“

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vierte Idee: Humber? gegoogelt: Flussdelta in Nordengland. a faded poster of Lakshmi? gegoogelt: die hinduistische Göttin des Glücks. funny jpegs? ich weiß nicht, warum Ross Sutherland keine funny .gifs nimmt. John Venn? auch jemand, der 1000 funny Internetbilder macht. Laryngophon? gegoogelt: Kehlkopfmikrofon.

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und: ich war überrascht, dass “not a good day for [dieses], but not a bad day for [jenes]” kein feste Wendung ist. sounds very British.

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alle sechs Abschnitte des Gedichts haben andere Zeilenschemata. die Stelle, die für mich am besten funktioniert:

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The heart’s fractal. The clinical vision.

The exploded body. The bloodless incision.

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fünfte Idee: vieles hängt hier durch, hat keine Spannung, läufts ins Leere, verliert sich, bleibt unentschieden. lieblose (weil erstbeste) Bilder wie “a quick sketch of the soul”, “the spaghetti programming of the heart”, “crepuscular statements”, “the flowcharts stack up like decommissioned fridges”, “the night resembles a parabola curve”, “the thick, blood-red line surfaces like an insane, contaminated salmon”. unsaubere Perspektiven (“my sweetness”, “your calipered eye”, aber: “the way she lifts her leg into the waiting car”). und:

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Alle Anwesenden waren einer Meinung,

dass das Schwein eher hätte ins Spiel gebracht werden sollen.

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da stimme ich zu: das Baby auf dem schwarzen Schwein, die Saloon-Kulisse, der schlecht gespielte Kellner mit dem Glasauge… da wirds dann schnell zur Farce. das kommt zu spät und halbherzig.

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gerne gelesen? als Video hält es zwei Minuten meiner Aufmerksamkeit. die Printversion macht mich müde.

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schlechtestes Wort: “my sweetness”, weil es dem Text die Spannung nimmt und viel zu früh signalisiert: hier treffen sich nicht zwei Liebende, auf Augenhöhe. hier wird gespielt, gequatscht, die Frau bleibt ein Objekt / Untersuchungs-Utensil.

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später / danach:

“Big Brother” hat zwei große Probleme mit Begriffen, seit beinahe 15 Jahren: die Produzenten und die “Big Brother”-Stimme werden wütend, wenn Kandidaten sich als Teilnehmer eines “Projekts” bezeichnen. “Big Brother”, stellen sie klar ist kein Projekt. am wenigsten: ein Projekt, getragen von den Bewohnern. egal, wie es sich für sie, im Container, anfühlt.

Psychologen und Wissenschaftler werden wütend, wenn “Big Brother” “Experiment” genannt wird. denn Experimente brauchen eine Grundfrage: etwas soll be- oder widerlegt werden. ich fühle mich bei Lektüre von “Experiment to determine the Existence of Love” wie ein Kandidat, im falschen Container abgestellt: die Fragestellung passt nicht zum Text. die Vorgänge, Handlungen, Themen passen nicht zur Fragestellung. die Bildwelten und der Ton bleiben ironisch-lässig-windschiefe Spielereien. alles ist fadenscheinig, unfertig. half-assed.

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Konstantin Ames vermutet, der Text bleibt half-assed, um sich gegen die typischen Kritikmuster und -Anforderungen des Creative Writing zu stellen: the pig should have been introduced earlier? ein “Fuck you” an die Schreibschulen.

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Konstantin Ames übersetzt “a minimum of two strong drinks” mit “mindestens zwei Doppelstöckige” (toll. nie gehört!)

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…und beschreibt Segment Nr. 5 das Auf und Ab einer Erektion? gehts da um Penisse, in Wirklichkeit?

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weiter mit: Ross Sutherland, “Jean-Claude van Damme”

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Stefan Mesch, geboren 1983, schreibt für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, war Herausgeber von BELLA triste und Mitveranstalter des Literaturfestivals PROSANOVA und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Als Liveblogger begleitete er u.a. das lit.futur-Festival 2013 und den Berliner Open Mike 2012. Buchtipps, Essays, Interviews und Texte auch auf seinem Blog… und erschreckend oft bei Facebook (Freund werden?)

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