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Ross Sutherland Richard Branson

90210-surfboard ross sutherland

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kurze Texte zu den Gedichten von Ross Sutherland.

Text 4, zu “Richard Branson”

Konstantin Ames schreibt hier. Kristoffer Cornils hier.

alle Texte von Stefan Mesch: [1. nude III] [2. Zangief] [3. try try try] [4. Branson] [5. Röntgen] [6. Experiment] [7. van Damme]

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erste Idee: ich schrieb nie eigene Gedichte. keine Lyrik aus 13 Jahren Unterricht hat mich erreicht / begeistert / überzeugt. ich kaufe (und verschenke) 200 Bücher jedes Jahr, doch habe noch nie einen einzigen Gedichtband bezahlt (halt: doch. aber kaum gelesen), ich habe keine Lieblings-Lyriker*innen und selbst Menschen, deren Lyrik ich oft mag (z.B. Monika RinckAndre Rudolph, aktuell besonders Malte Abraham) haben viel mehr Texte, die mich kalt lassen als solche, die mich begeistern. ich liebe Romane. Comics. Serien. viele Filme. aber Lyrik? schwyrik.

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2007 habe ich für BELLA triste über 200 Seiten Texte-über-Lyrik lektoriert, und dann ein Jahr lang immer neue poetologische Antworten gesucht, gesammelt und herausgegeben: wer Gedichte schreibt, wählt jedes Wort sehr überlegt. und deshalb können Lyriker*innen oft um Welten präziser, klüger über ihre Ansprüche, Sprache und Arbeit-mit-Sprache sprechen als alle anderen Künstler*innen: als Leser, als Journalist, als Literaturkritiker und Autor lerne ich SO viel, wenn Menschen über Lyrik sprechen. das lohnt sich jedes Mal!

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zweite Idee: “Richard Branson” macht mir Mühe. setzt mich unter Druck. mehr als alle anderen Ross-Sutherland-Gedichte bisher:

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ich kann (das wäre mir am liebsten) 18 kurze Gedichtzeilen lesen und bloggen, was diese Zeilen mit mir machen: was hängen bleibt. stört. reizt. gefällt. ins Auge sticht. oder mir misslungen scheint. es gibt ein Ich und ein “my love”, “cold hungover days” in Cambridge, eine weiße Sonne, unsympathische (?) Coworker und sieben Shreks, die in der Patsche hängen und weg laufen. das Ich bringt es nicht übers Herz, die Wahrheit zu sagen, das Du rückt (mütterlich? klammernd? herablassend?) die Krawatte zurecht, “ziehst sie fest und ich werde etwas älter”, und alles wirkt zu spät, verkniffen, vergeblich, verheimlicht und verpfuscht: “du denkst, dass du nur lange genug auf die Nudeln starren musst, um auf die Kombination des Safes zu kommen”.

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um den resignierten, traurigen Zweikampf dieses Paares besser zu verstehen, hilft mir ein Blick auf einzelne Wendungen: “trapped in the era”, “it’s impossible”, “[the money] will end up spent”, “I don’t have the heart”, “I am small and glassy”. 18 Zeilen Text, die fünf solcher “das geht nicht gut aus. alle sind müde!”-Formulierungen enthalten. keine Frage: die Worte stehen da bewusst. absichtlich. das sind Effekte, an denen Autor*innen lange feilen: beim ersten Lesen ahne, spüre, fühle ich eine erste Stimmung. das Gedicht ist “traurig, irgendwie” – reime ich mir zusammen.

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aber gehe ich wirklich noch mal kritisch, gründlicher durch alle Sätze,fällt auf, wie viel Mühe sich Lyrik mit solchen Sprach-Signalen gibt, um um Atmosphären, Stimmungen zu bauen: Ross Sutherlands 18 kurze Zeilen sind “irgendwie traurig”? das ist, als stünde ich einer Wohnung und denke “schick!” um dann zu merken: da stehen ja auch fünf Pianos. Statuen. Vasen voller Blumen! der Innenarchitekt hat in JEDE Ecke irgendwas gestellt, das signalisieren soll: “Oha. Edel!” so ähnlich wie die Frau, die 1990 im “Beverly Hills, 90210″-Pilotfilm durchs Bild läuft: vor der Armani-Boutique. im teuren Kostüm. mit Shopping Bags. und (Kalifornien!) einem Surfboard.

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dritte Idee: die Codes für Stimmung und Gefühle, die Ross Sutherland hier setzt, kann ich (und jeder sonst) problemlos knacken. doch will ich “Richard Branson” tiefer verstehen, brauche ich schon wieder Google: ich bin sehr froh, dass Kuratorin Simone Kornappel mir etwas Arbeit abnimmt und erklärende Links in den Text streut. für eine gute Stunde surfe ich hin und her, lese ihre Texte, lerne dazu und puzzle mir folgende komplizierte-charmante Cambridge-Anekdote zusammen (ohne zu wissen, ob das noch irgendwas mit Ross Sutherlands Gedicht zu tun hat).

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“okay, wait: so THIS lady“, schreibe ich auf Facebook, “made some Pulsar discovery in 1968 that got her colleagues a Nobel Prize …and led to THIS image…  that ‘appeared in the Cambridge Encyclopedia of Astronomy in 1977, which is where Joy Division drummer Stephen Morris saw the design.‘”

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vierte Idee: wahrscheinlich ist das nur die Spitze des Bedeutungseisbergs – und ich müsste viel mehr über Cambridge, Rothko, Richard Branson und seine Platten- und Flugzeugfirma Virgin, Polarlicht und die Währung Südafrikas verstehen, um Ross Sutherlands Gedicht gerecht zu werden.

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aber hätte Ross Sutherland diesen Aufwand verdient? ich bin mir sicher, in “Richard Branson” sind, wie in allen anderen Ross-Sutherland-Gedichten, Unmengen kleiner Scherze, Verweise, Anspielungen vergraben. doch ich bezweifle, dass die Bedeutungs-Nuggets, die ich da ausgraben könnte – für mich persönlich – spannend genug bleiben, um nach drei Stunden Beschäftigung mit dem Gedicht jede Zeile noch einmal tiefer, gründlicher umzugraben will: Google? verrat mir alles über Richard Bransons Projekte am Polarkreis. welcher Rothko-Print ist “klein und glasig”? und so weiter.

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fünfte Idee: wäre ich mit Virgin, Richard Branson, Joy Division aufgewachsen, hätte ich Interesse an Rothko oder Cambridge (oder “Shrek”), ich würde tiefer graben. vielleicht versteht jeder Brite, warum Ross Sutherlands Gedicht “Richard Branson” heißt. Vielleicht würde ein deutscher Zwilling von Ross Sutherland sein Gedicht über eine scheiternde, schal gewordene Beziehung “Carsten Maschmeyer” nennen, oder “Rainer Calmund”.

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gerne gelesen? nein. und ungern kommentiert: ohne Branson-Bezug fühle ich mich unqualifiziert, über “Richard Branson” zu schreiben.

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schlechtestes Wort: nenn einen Künstler. den erstbesten! “Rothko.”

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später / danach:

ein Freund von mir bewundert Feldherren, Taktiker, gemeine Strippenzieher. und… Apple. wenn er Steve Jobs beschreibt, verschwimmt seine Bewunderung zu einem seltsamen psychologischen Helden-Brei. in einer meiner Lieblingsszenen aus “Mad Men” sollen Hundehalter über den Charakter ihres Hundes sprechen. doch sofort wird klar: niemand beschreibt den Hund. jeder Hundehalter erzählt, wie er selbst gerne wäre. ein Wunschtraum, projiziert auf die Tiere. dass sich Ross Sutherland mit Richard Branson eine fleischgewordene Midlife-Crisis sucht, langweilt und nervt mich: Branson, Zangief, Jean-Claude van Damme… wo liegt der Reiz all dieser alten Herren?

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nicht mal ein halbwegs passender Song fällt mir hier ein: vielleicht die Counting Crows? auch dort hadert oft ein trauriges Ich mit einem fernen Du.

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weiter mit: Ross Sutherlands »A Second Opinion«

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Stefan Mesch, geboren 1983, schreibt für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, war Herausgeber von BELLA triste und Mitveranstalter des Literaturfestivals PROSANOVA und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Als Liveblogger begleitete er u.a. das lit.futur-Festival 2013 und den Berliner Open Mike 2012. Buchtipps, Essays, Interviews und Texte auch auf seinem Blog… und erschreckend oft bei Facebook (Freund werden?).

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ross sutherland infinite lives

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kurze Texte zu den Gedichten von Ross Sutherland.

Text 3, zu “Infinite Lives (Try, try, try again)”

Konstantin Ames schreibt hier. Kristoffer Cornils hier.

alle Texte von Stefan Mesch: [1. nude III] [2. Zangief] [3. try try try] [4. Branson] [5. Röntgen] [6. Experiment] [7. van Damme]

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erste Idee: Kinderperspektiven langweilen mich. weil Kinder wenig schaffen, wissen, planen, das meiste verpatzen – und ihre Geschichte oft passiv und beschränkt erleben. viele Autor*innen wollen eine “ist das nicht putzig, magisch, zauberhaft und drollig?”-Stimmung erzwingen. doch Kinderhelden gehen mir auf die Nerven: mein Kindsein war schleppend, wirkungslos und dumm, und wer über das Glück des Kindseins schreiben will und nur den immer gleichen abgegriffenen Kinder-Kitschkram findet (“Das Sofa war eine Insel! Der Garten ein Dschungel! Mein Bett eine kuschelige Höhle! Unser Sommer wollte niemals enden!”), verliert meinen Respekt: Texte sind, wie alles andere, in 9 von 10 Fällen Schrott. doch Kindertexte leider: in 98 von 100 Fällen. dünnes Eis, Ross Sutherland.

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zweite Idee: das ist mein dritter Ross-Sutherland-Text. und der erste, der so britisch (schottisch?) erzählt, dass ich mir direkt Google zu Hilfe hole:

“try try try again” stammt vom britischen Pädagogen William Hickson.

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sind “lounges” und “living rooms” das selbe?

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haben Yorkie Easter Eggs immer diese Bagger- und Baustellen-Verpackung? ist das ein Schoko-Osterei für Jungs?

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Dixons ist eine Elektronik- und Haushaltswaren-Kette: “Saturn” in Britisch? aber es gibt keine Barmänner bei Dixons, oder? keinen Werbespot oder Dixons-Film (und dessen Outtakes), in dem eine Bar vorkommt?

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dritte Idee: viele kleine Effekte, Akzente im Text gefallen mir: wer steuert das leichte Fahrzeug (oder: Raumschiff?) über den Kaminsims? nicht “me”, nicht “my hand”, sondern “my mind”, denn diese Lenkmanöver werden im (Kinder-)Kopf geboren. der Erzähler weiß und betont das: Space Battles im Wohnzimmer sind Kopfsache!

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das selbe Kind, die selbe Kinderfantasie lässt “a billion ships” verbrennen und macht einem Yorkie-Ei den selben kurzen Prozess wie die “Star Wars”-Rebellen dem Todesstern. mich überzeugt auch die Fantasie, dass das Familienauto vom Weg abkommt, das Kind auf die Straße geschleudert wird und dann, Kopf voran, über eine Kreuzung rutscht / schlittert wie ein feuchtes Bier über den Tresen: für Kinder ist der Tod denkbarer, simpler, wenig tabuisiert. und wer alt genug für “Star Wars” ist, hat genug Autounfälle im Film gesehen. leichtfertig übers schnelle Sterben reden? machen Kinder oft. passt gut! gefällt mir sehr.

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zu dieser Leseweise passt auch der Titel: wer “unendlich viele Leben” hat in einem Videospiel, kann rumspinnen, alles ausprobieren, sich Zeit lassen. toben. Quatsch machen. wie ein Kind! am schönsten / besten aber gefällt mir eine Kleinigkeit: die Eltern spielen im Urlaub zusammen ein Spiel, in dem man Steine aneinanderfügen muss und hoffen, dass sie passen. eine schöne Metapher für: “Meine Eltern lieben sich, und haben versucht, zusammen zu passen”…?

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vierte Idee: müsste ich als Lektor mit “Infinite Lives” arbeiten, hätte ich eine Menge kleiner sprachlicher Kritikpunkte an Ross Sutherland: das lyrische Ich spielt nicht im eigenen Wohnzimmer, sondern bei irgend einem “Du”, das eine Großmutter hat. doch beide Figuren, Großmutter und Du, spielen sofort keine weitere Rolle. ich verstehe nicht, was mit dem Pkw-Armaturenbrett passiert: bauen es die Eltern beim Domino-Spielen in Frankreich immer wieder nach / um (“reconstructing” = umbauen), oder baut das Ich als Kind im Kopf immer neue Spielwelten auf diesem Armaturenbrett (“reconstructing” = in der Vorstellung neu aufbauen), bevor es aus dem Auto geschleudert wird? Kinder sitzen im Auto meist hinten: das Armaturenbrett ist ihrem Blickfeld recht fern.

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auch, was die Barkeeper tun, kann ich mir nicht erklären: Das Ich glaubt, sie seien “Simulanten” / “Fakers”, während (?) es zusieht, wie sie ein Bier “die Theke entlang schubsen”? wann sehen Kinder Wirte? und dass diese Wirte doch keine Fakers sind, wird dem Erzähler klar, als er die gelöschten und verpfuschten Szenen durchkuckt, die Outtakes? wo sieht er diese Szenen? wer zeigt sie ihm? was ist dort zu sehen: wie Barkeeper daran scheitern, ein Bier über den Tresen zu schubsen? das Bier herunterfällt? das “Wieder und wieder durchprobieren, bis es klappt”-Motiv dieser Strophe passt zum Titel. doch ich weiß nicht, welche echte, konkrete Bar-Szene im Leben eines Kindes ich mir hier vorstellen soll, und welche “Outtakes” denkbar wären. gefällt mir nicht.

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fünfte Idee: zum ersten Mal will ich auch Übersetzer Konstantin Ames an vielen Stellen widersprechen: “Infinite Lives” wären in der Videospiel-Logik besser “unendlich / ewig VIELE” Leben, nicht (ein) “ewiges Leben”. “um eine Lounge dreidimensional zu erfassen” ist mir zu technisch und schwammig: vielleicht besser “um alle drei Dimensionen eines Wohnzimmer zu verstehen”? statt “Nebeln” würde ich “Sternennebel” übersetzen und besser “Kaminsims” statt “-verkleidung”. [Edit: Konstantin Ames erinnert mich, dass er "Ewige Leben" übersetzt hat, im Singular: Das passt also. Ich habe schlampig gelesen!]

am wichtigsten: das Kind stürzt aus dem Auto und rutscht über die Kreuzung. da ist mir “segeln” als Verb zu sanft: der Kopf soll bitte “schlittern”, “klatschen”, “schäumen”. Hirnmasse! Blut! so nass wie Bierglas oder -flasche über den Tresen! das volle Kinderfantasie-Horrorprogramm.

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gerne gelesen? sehr gerne, ja. nur kommt es mir unfertig vor, schlecht überlegt, an vielen Stellen fadenscheinig. Mr. Sutherland, was haben Sie sich dabei gedacht? ich glaube nicht, dass Ross Sutherland hier die besten Worte fand, um zu zeigen, was er zeigen wollte.

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schlechtestes Wort: die “glittering skies” über Frankreich langweilen mich; und ich google seit zehn Minuten, was die “last words of the Death Star” gewesen sein sollen (“Standy, standby”? Oder Großmuff Tarkins “You may fire when ready”?). der sympathisch-flapsig-abrupte Abschluss, “OK I finally get it” gefällt mir sehr… nur kapiere ich selbst den Heureka-Moment des Gedichts (oder mindestens: die Outtake-Bartender-Bier-Theken-Situation) kein Bisschen. und deshalb ärgert mich das “alles klar!”, “OK, endlich hab ichs raus!” am Ende eines Textes, den ich nicht raus habe. und der vielleicht einfach zu schlecht / unklar geschrieben ist, als dass ein Leser es raus kriegen könnte…?

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später / danach:

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ich weiß nicht, warum man als Science-Fiction-begeistertes Kind ausgerechnet bei der Fahrt Richtung Elektromarkt (!) Todesfantasien hat.

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ich freue mich, dass “try, try, try again” bei William Hickson vermutlich eher stoisch und ermahnend gemeint war: “Übung macht den Meister”, “Immer wieder von vorne anfangen!”, “Arbeit, Arbeit, Arbeit”… doch in der Videospiel-Welt ganz risikoarm, leichtfertig benutzt wird, als Versprechen: “Einfach von vorne! Keine Konsequenzen! Nichts kann schief gehen!”

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Konstantin Ames fragt nach den Traumata und ECHTEN Unfällen, die eine Kindheit enden lassen, und kommentiert: “Eine durchaus mögliche Lesart ist die einer herbeigewünschten Katastrophe, die dann tatsächlich eingetreten ist; ein schrecklicher Autounfall, die für die Sprechinstanz beinahe tödlich endete, auch das abrupte Ende eines Kindheit; ein Trauma, dass auch der Suff nicht beheben konnte.”

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Kristoffer Cornils fragt ähnlich: “Irgendwo lauert immer »some great crash yet to come«, vielleicht wird er sogar herbeigesehnt. Um mal auszuprobieren, ob es wirklich Infinite Lives, unendlich Leben, in diesem einen gibt. Kurz speichern, was riskieren, dabei draufgehen, resetten und entspannt von vorn anfangen. Easy, oder?”

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Ross Sutherland veranstaltete 2009 einen “upbeat” Comedy- und Literaturabend namens “Infinite Lives”: “Last year, ESA (the Entertainment Software Agency) revealed that the average age of the most frequent game player is 33 years old. The children who began buying video games for their Atari 2600 in 1982 are still gripped 25 years later, somehow incapable of putting down the game controller and doing anything constructive, like putting up a shelf. No longer the preserve of childhood, video games have become a global phenomenon rippling though popular culture, influencing film, music, art, and even philosophy. Realising they are the same age as Pacman, three authors come together to produce an evening of entertainment dedicated to the secret language of computer games.”

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Protest gegen Produkte wie das “It’s not for Girls”-Yorkie-Egg sortiert sich u.a. unter dem Twitter-Hashtag #ichkaufdasnicht

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das schönste Lampenschirm-Großmutter-Wohnzimmer-Kaminsims-Foto aus Großbritannien, das ich kenne, ist hier.

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mein britischer Lieblings-Kindheits-Kitschsong ist “The Summerhouse” von The Divine Comedy.

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gelungene Kinderfiguren und -perspektiven? z.B. in Tove Janssons “Sommerbuch”, Ágota Kristófs “Das große Heft”, Carson McCullers’ “Frankie” und Harper Lees “Wer die Nachtigall stört”

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weiter mit: Ross Sutherlands »Richard Branson«

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Stefan Mesch, geboren 1983, schreibt für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, war Herausgeber von BELLA triste und Mitveranstalter des Literaturfestivals PROSANOVA und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Als Liveblogger begleitete er u.a. das lit.futur-Festival 2013 und den Berliner Open Mike 2012. Buchtipps, Essays, Interviews und Texte auch auf seinem Blog… und erschreckend oft bei Facebook (Freund werden?).

zangief 2 ross sutherland

zangief ross sutherland.

kurze Texte zu den Gedichten von Ross Sutherland.

Text 2, zu “Zangief”

Konstantin Ames schreibt hier. Kristoffer Cornils hier.

alle Texte von Stefan Mesch: [1. nude III] [2. Zangief] [3. try try try] [4. Branson] [5. Röntgen] [6. Experiment] [7. van Damme]

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erste Idee: Gott. Zangief. so viele Figuren hätte ich als Kind gerne persönlich gekannt (eine Liste meiner Kindheits-Helden ist HIER, eine Liste der Videospiele, die für mich wichtig waren HIER): ich hätte von Dagobert Duck, Papa Schlumpf oder Donatello von den “Turtles” gelernt. Mrs. Brisby oder die Cosbys hätten mich gemocht… und würde ich morgen im “Street Fighter”-Universum aufwachen, ich denke, Chun-Li oder Dhalsim, notfalls Blanka, E. Honda, M. Bison würden mit mir Kaffee trinken: DAS sind die Street Fighter, zu denen ich Anschlusspunkte sehe, die mich auf irgend einem Level interessieren, mir wenigstens als Konzept, Idee sympathisch sind. Zangief macht mir Angst. Zangief macht mich platt. Zangief gehörte ab 1992 (ich war acht oder neun) in die selbe Ecke, in der auch Pippi Langstrumpf lauert, Roseanne oder Bart Simpson: Wären Zangief und ich Teil der selben Realität… ich wäre erledigt. Zangief würde mich ZERSTÖREN.

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haarig. verschwitzt. distanzlos. der tollwütige Blick. die engen Speedos. Bart und Frisur. und sein Spezial-Move, bei dem er den Kopf (!) des Gegners in den Boden rammt… als Heldencomic-Leser kenne ich eine MENGE schlechter, liebloser oder rassistischer Kämpfer- und Haudrauf-Figuren aus Russland. doch Zangief ist die widerlichste, brachialste Schablone für solche Vorurteile: mir gefällt, dass Ross Sutherland mit Rand- und Nebenfiguren meiner Kindheit literarisch arbeitet. aber wirklich: muss es Zangief sein?

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zweite Idee: “Black Island”? gibt es eine vielleicht russische Insel, die… oha: “eine Insel des Kurilen-Archipels. Sie gehört zu Russland, wird aber von Japan als Teil der Unterpräfektur NemuroHokkaidō beansprucht.” Zangief ist die Karikatur eines russischen, chauvinistischen Unterdrückers, erfunden von japanischen Entwicklern. Konstantin Ames denkt das weiter: “Die Frage, die das Gedicht stellt, lautet: Warum sollte ein patriotischer Russe mit einem Bären ringen, der doch sein Land symbolisiert, und den er töten müsste, um den Kampf zu überleben? Wie würde er sich hinterher fühlen? Die Antwort darauf: Es wäre eine Tragödie.”

leider ist die Spielanleitung von Nintendo besser geschrieben, bildstärker, kulturell interessanter und macht mich nachdenklicher als das, was Ross Sutherland dann mit leierndem Rhythmus und Schwurbel-Kitsch-Klischeebildern hinzufügt. gefällt mir nicht.

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dritte Idee: vielleicht langweilt mich “Zangief”, weil hier linear ein einziger simpler Ablauf beschrieben wird: Gedichte stellen Ideen, Worte, Fragen und Bilder gegeneinander, die in 1000 Spannungen und Widersprüchen stehen: nirgends reibt sich so viel offene, nicht abschließend erklär-, entscheidbare Bedeutung auf engstem Raum. mir missfällt die simple, superdick aufgetragene Mann-gegen-Tier-Geschichte, weil sie mich nicht zum Nachdenken bringt oder überrascht.

Ross Sutherland beschreibt die Szene distanziert – und hämisch: Mann und Bär (und also: ganz Russland?) sind “Amputierte”, der “Pelz stinkt nach Scheiße”, die Sinne sind “benebelt”, sogar das Brechen des Genicks klingt “wenig überzeugend”. Konstantin Ames übersetzt “Partner” als “Gespiele” und macht die Szene damit noch schmieriger, läppischer, hermetisch. die Adjektive? “leer”, “schmal”, “dünn”, “wenig überzeugt”: ein dürftiger, trauriger Kampf.

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vierte Idee: Ross Sutherlands “nude III” warf für mich spannende Fragen auf. “Zangief” bleibt zu fadenscheinig, und ich frage ungeduldig und genervt: warum sieht der tote Bär als Bärenleiche auf dem Eis (?), aus wie “eine Flächenkarte von Russland”? unter dem Eis ist “rötlicher Schlick” (nein: auf dem Eis klebt Blut)? “he bleeds until he sees those stars again”: kann man auf der Insel (wegen den Bäumen?) keine Sterne sehen, sondern nur am Boot? geht es, wie Kristoffer Cornils vorschlägt, um kommunistische Sterne oder amerikanische Stars and Stripes? verstehe ich mehr, wenn ich über das Sternbild des Bären recherchiere? mir ist das alles zu vage. oder zu platt. missfällt mir.

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letzte Idee: Zangief hat Pelz auf den SCHIENBEINEN. und: nur da. der Rest seiner Beine ist haarlos.

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gerne gelesen? nein. eine unnahbare, platte und unsympathische Figur wird in einer Sprache beschrieben, die mir falsch, lieblos und aufgesetzt erscheint. “Street Fighter” handelt von Zweikämpfen. die ganze Spielreihe fragt seit über 20 Jahren neu, was passiert, wenn ZWEI Figuren, meist aus verschiedenen Ländern, aufeinander treffen. vielleicht fehlt Ross Sutherland hier vor allem ein würdiges Gegengewicht: der tote, traurige Bär auf dieser schwarzen Insel voll Eis ist kein interessanter / interessant beschriebener Gegner. oder “Gespiele”.

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schlechtestes Wort: “a waltz, a final dance” / “ein Walzer, ein letzter Tanz”: muss JE-DER Zweikampf auf den Tod immer mit einem TANZ verglichen werden? JE-DES Mal? von einem guten Lyriker erwarte ich mehr.

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später / danach:
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“the claw lacerations masked by ginseng” passt nicht ins Reimschema. ich stolpere bei jedem Lesen.

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“Zangief loves his country. But he loves to stomp on his opponents even more”: ich denke an die totalitäre Welt (und ein konkretes Zitat: “If you want a picture of the future, imagine a boot stomping on a human face — forever.”) aus George Orwells (tollem, zurecht geliebten) “1984″ und frage mich, ob die amerikanischen Super-Nintendo-Bedienungsanleitungs-Autoren oder die japanischen Capcom-Programmierer Ende der 80er ABSICHTLICH den (totalitären) Russen zum (totalitären) Stampfer machten.

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…und wurde Zangief von Mr. Ts Rolle in “Rocky 3″ inspiriert?

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“a man who wrestles bears for fun” = “ein Mann, der aus Übermut mit Bären ringt”? lieber hätte ich die Orginal-Übersetzung der deutschen Spielanleitung gelesen, von ca. 1991.

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“narrow skull” = “die schmale Rummel”? Kompliment an Übersetzer Konstantin Ames. ein Bärenschädel wird “Rummel” genannt?

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ich verstehe, dass Zangief ein Schönheitsideal trifft, vor allem bei schwulen “Bears”. er erinnert mich an japanische Bara-Manga und ich freue mich, dass ihn Fans auf Tumblr oft liebenswerter, tapsiger, Winnie-Puh-hafter darstellen als in den offiziellen Spielen. aber: ich verstehe, was Typen wie DIESEN Mann attraktiv macht. vor Zangief selbst habe ich weiterhin… NUR Angst.

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Ross Sutherland hat über alle 12 “Street Fighter II”-Figuren Gedichte geschrieben, jeden Text von Illustrator*innen gestalten lassen und sie als eBook veröffentlicht. erst, als ich diese eBook-Ankündigung lese, merke ich, dass da “Sonnet” steht, nicht einfach “Gedicht”. erklärt das die Spalten, Zeilenumbrüche, den Rhythmus? hat Ross Sutherland ein “korrektes” Zangief-Sonett geschrieben?

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Zangiefs “prototypical name”, verrät das “Street Fighter”-Wiki, “was Vodka Gobalsky.” na dann!

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weiter mit: Ross Sutherlands »Infinite Lives (Try, try, try again)«

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Stefan Mesch, geboren 1983, schreibt für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, war Herausgeber von BELLA triste und Mitveranstalter des Literaturfestivals PROSANOVA und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”Als Liveblogger begleitete er u.a. das lit.futur-Festival 2013 und den Berliner Open Mike 2012. Buchtipps, Essays, Interviews und Texte auch auf seinem Blog… und erschreckend oft bei Facebook (Freund werden?).

bleichweiß grau ockerfarben sepia dämmrig, Stefan Mesch zu Ross Sutherland

 

bleichweiß grau ockerfarben sepia dämmrig 2

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kurze Texte zu den Gedichten von Ross Sutherland.

Text 1, zu “nude III”

Konstantin Ames schreibt hier. Kristoffer Cornils hier.

alle Texte von Stefan Mesch: [1. nude III] [2. Zangief] [3. try try try] [4. Branson] [5. Röntgen] [6. Experiment] [7. van Damme]

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erste Idee: “bleichweiß”, “grau”, “ockerfarben”, “sepia”… und “dämmrig”. mir gefällt, wie man in fünf Worten eine ganze Farbpalette, Lichtstimmung durch einen Text streuen kann: hier funktionieren die Farben wie Gewürze und sie beeinflussen, färben jedes Bild und jedes Wort. nur die “ockerfarbenen Freundinnen” missfallen mir. weil Ocker so ein erdig-unklar-nichtssagender Farbton ist. wollte Sutherland etwas sagen wie: “Die Freundinnen sind graue Mäuse und alle irgendwie gleich“? oder waren sie im Solarium? oder sind sie dunkelhäutig?

so oder so: die Frauen hätten mehr Mühe, einen genaueren Blick verdient.

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zweite Idee: ein Dutzend offener Fragen. mir gefällt das! gehen Kinder in die “Schule der Gebrochenen Hälse”, um sich den Hals brechen zu lassen? oder läuft das wie in einer “Rückenschule”: Leute lassen sich dort behandeln? wozu hat Bethlehem ein Kniffel-Institut? welchem See soll der Stöpsel gezogen werden?

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am wichtigsten: WO spielt dieses Gedicht? an einer Universität, die “weltbekannt” dafür (oder: “famos” darin?)  ist, ihre Farbe zu wechseln? hin und her zwischen “bleichweiß” und “grau”? und draußen, auf der Straße vor der Uni, verbreiten die Laternen Sepia-Licht? und vielleicht hat der Himmel die FARBE von “Warteschleifenmusik”? klingt alles sehr verwaschen. traurig.

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dritte Idee: vielleicht geht es Ross Sutherland um Basics, Standards, Ursprünge / das Erste, Einfache, Primitive… und auf der Gegenseite: das, was danach kommt: “Zivilisation”. Kultur. Errungenschaften. Vergeistigung. Moral.

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“Reptilian Brain” ist der Teil des Gehirns, den höhere Lebewesen mit Echsen gemeinsam haben: das einfachste Betriebssystem, das unsere wichtigsten, aber primitivsten Grundfunktionen lenkt. Ross Sutherland schreibt über eine Uni und eine “Legende” (warum “Legende”?), “wonach die höheren Aufgaben einer Universität um ein altes Reptiliengehirn angesiedelt sind”. was sind das für universitäre Aufgaben? gehört in-der-Bibliothek-”Festsitzen”(!)-und-kaum-aufstehen-Können dazu?

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im Gedicht kommen viele Menschen vor: Hockeyspieler, die Freundinnen “knallen”. Freundinnen, die von Hockeyspielern geknallt werden. “Junge Gemüter” in der Bibliothek. Leute im Imbisswagen, die abends ihre Abrechnung machen (und also: sich ums Geld kümmern. nicht darum, Leuten noch Essen anzubieten). “Das letzte Mitglied einer Improgruppe”, das uralten Heavy Metal hört, und – sicher kein Teil der Uni und ihrer “höheren Aufgaben” – “Azubikrankenschwestern”, die gut gelaunt die Arme “schlenkern”. mir gefällt die Grundfrage: was bringen Unis? was ist Zivilisation? oder auch: wenn du abends über einen Uni-Campus gehst und nachsiehst, wer sich dort bewegt: wie viel “Zivilisation” und “Höheres” siehst du?

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vierte Idee: ich mag Zivilisation. ich mag Unis. ich mag die Gegenwart. viele “früher war alles besser!”-Menschen schreiben “früher war alles besser!”-TEXTE, indem sie wütend, müde oder gelangweilt aufzählen, welche Neuerungen sie selbst für unnötig halten, oder für ein Zeichen von “Dekadenz”.

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Ross Sutherland zählt hier Dinge / Zivilisations-”Errungenschaften” auf, über die viele Menschen sagen würden “DAS braucht kein Mensch! DARAN kann man doch sehen, wie weit es schon gekommen ist: schöne neue Welt! WAS für ein Mist!” ein “Kniffelinsitut” (wer bezahlt so etwas? der Steuerzahler?), “passwortgeschützte Kurzgeschichten” (die armen Geschichten: jetzt werden sie versteckt und in Computern gefangen gehalten? wem nützt eine Geschichte, die von Computerprogrammen bewacht wird?), “junge Gemüter”, die “tief in der Bibliothek festsitzen” (die Jugend von heute! SO wird das nichts: Sesselfurzer, Theoretiker, Waschlappen!), ein “Imbisswagen, der geschlossen hat” (Hamburger machen dick! Untergang des Abendlandes!), die “Warteschleifenmusik des Himmels” (keine Musik ist verhasster als Warteschleifenmusik, und nichts ist sinnloser und entfremdeter, als in einer Warteschleife festzuhängen).

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mir missfällt, dass diese Bilder vage “gegenwartskritisch” sind… und auf eine ganz langweilige, alte, konservative und uninteressante Art und Weise bekannt. brutale Hockeyspieler? passive Bücherwürmer? die EINZIGE etwas vielschichtigere, halb überraschende Figur im Text ist das Improgruppen-Mitglied, das Iron Maiden hört. schade.

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letzte Idee: “Keller voller passwortschützter Kurzgeschichten” ist… blöd. ein unklares, schiefes Bild: was sind das für “Geschichten”? die Sexgeschichten der Hockeyspieler? mir missfällt das Original sogar noch mehr, denn dort heißt es “Basements hum with password-protected short stories”, die Keller BRUMMEN, SUMMEN, so LAUT ist der KRACH, den diese geheimnisvollen Geschichten da unten machen. huhu. bedeutungsschwanger.

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gerne gelesen? ja. mir gefallen viele einzelne Bilder, Stimmungen im Text, mir gefällt, dass er so viel Welt abbilden will, so viele Figuren hat. und mir gefällt der Humor, der in Worten wie “Kniffelinsitut” auftaucht. insgesamt aber habe ich das Gefühl, hier wird – recht platt – Zivilisationskritik geübt und Unis sollen irgendwie “entlarvt” werden, als traurige, einsame, hässliche, sinnlose Orte.

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schlechtestes Wort: “Legende”. Hirnforscher wissen SO viel – da muss man nicht von “Legenden”, Hörensagen, Märchen, Glaubensfragen sprechen. das Gehirn wird erforscht. und Unis, Lehrpläne usw. werden geplant, ganz rational und offen. das Wort “Legende” wirkt hier auf mich… wie ein naives Verneblungs-Zauberwort. fehl am Platz.

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später / danach:
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auch “nude”, der Gedichttitel, könnte eine Farbe sein. aber welche?

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wo sind “nude I” und “nude II”? Konstantin Ames hat recherchiert: “Das Gedicht gehört zum Eröffnungsteil eines zwölfteiligen Zyklus (http://www.rosssutherland.co.uk/main/book/twelve-nudes).”

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“slam” (jemanden gegen etwas drücken, rummsen) und “Knallen” (poppen?), das ist ein großer Unterschied: bei “slam” denke ich an Hockeyspieler, die ihre Freundinnen ruppig-leidenschaftlich gegen den Umkleidespind stoßen. bei “Knallen” denke ich an Vergewaltigungen oder mindestens: lieblosen, schlechten Sex.

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Farben, Grundstimmung und das Thema (“Wir beobachten die Menschen, Händler, Einwohner einer Stadt an einem grauen Abend”) haben mich an diesen kanadischen Song erinnert: “One Great City” von den Weakerthans.

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Kristoffer Cornils nennt das “Sepia der Straßenbeleuchtung” “instagrammig”. Foto-Filter. Social-Media-Kitsch-Effekte. stimmt! vielleicht beschreibt das Gedicht eine Welt, die so aussieht. vielleicht aber (böse, hämische Vermutung) MAG Ross Sutherland solche Kitsch-Filter selbst und will mit seinen Farbbeschreibungen die eigenen Gedichte im selben Stil einfärben. ich werde drauf achten, wie gefärbt / inszeniert / Instagram-kitschig seine anderen Texte sind.

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Kristoffer Cornils schreibt: “‘[O]chre girlfriends’, die von Hockeyteams misshandelt werden”. ich dachte “nur” an ruppiges Petting. Kristoffer Cornils an Misshandlung. oder ganze Gruppen-Vergewaltigungen? ich wünschte, Ross Sutherland hätte sich in der Beschreibung der Hockeyspieler und ihrer Freundinnen mehr Mühe gemacht: dann müssten wir nicht spekulieren, WIE schlecht es diesen Freundinnen geht, und WIE gefährlich oder böse diese Hockeyspieler sind.

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und: Kristoffer Cornils war in Tokio. großartig! ich sebst bin seit 2009 einmal im Jahr für je drei Monate in Toronto. aber: warum Ross Sutherland dort eine “School of Broken Necks” ansiedelt, kann ich mir nicht erklären.

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weiter mit: Ross Sutherlands »Zangief«

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Stefan Mesch, geboren 1983, schreibt für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, war Herausgeber von BELLA triste und Mitveranstalter des Literaturfestivals PROSANOVA und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”Als Liveblogger begleitete er u.a. das lit.futur-Festival 2013 und den Berliner Open Mike 2012. Buchtipps, Essays, Interviews und Texte auch auf seinem Blog… und erschreckend oft bei Facebook (Freund werden?).

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Wie blau ist die Seele? – Prigent bei ¿Comment!

In Christian Prigents Gedichten dreht sich alles um die Seele – so auch in den Beiträgen der Schüler und Profileser.

Welche Farbe hat die Seele? Prigent meint, blau. Die Schüler und Schülerinnen fragten nach und dichteten weiter. Warum eigentlich nicht grün oder schwarz? Auch Rike Bolte steuerte ihre poetische Farbenlehre bei. Schüler gingen dem Blau in ihrem Alltag auf den Grund und machten Fotos. Zum Beispiel von der Flagge der EU oder der Schere auf dem Schreibtisch.

Prigens melancholische Gedichte brachten die Leser zum Nachdenken und Dichten über (jugendliche) Traurigkeit, Optimismus und Glück. Bolte visualisierte das manchmal aufziehende Grand Froid.  Prigent selbst wollte nicht zu melancholisch verstanden werden und zog die Parallele zu Hölderlin.

Schüler und Profileser machten sich an weitere Seelenunternehmungen: So erdichtete sich Denis Abrahams einen eigenen, seelenhaften Ausflug ins Grüne und Schüler ergänzten eine Fotostrecke. In der szenischen Darstellung von Denis Abrahams und Karen Suender gab es Leib und Seele im Gespräch zu sehen. Die Schülerin Christine setzte das in ihrem Seele-Körper-Bild fort. Rike Bolte steuerte ein Seelenmobil bei. Zu einer Kooperation zwischen Seele und Handy ließ es Karen Suender kommen: Ihr Handy dichtete per Autokorrektur für sie weiter und fand den Zusammenhang zwischen Prigent und einem Gericht namens Paprika Armada heraus. Zuletzt kündigte Rike baldige Seelenbotschaften von Übersee an. Es bleibt spannend!

von Martina Koesling

 

 

 

[deutsche Übersetzung: weiter unten]

Cette mauvaise chaise

À en croire la très bonne parole, il faut que je sois fou. Ils ont réfléchi toute la nuit derrière des portes closes, et maintenant que la fatigue a fini par les mettre d’accord, ils peuvent le dire sans aucun risque de se tromper : c’est ça. L’un d’eux monte au créneau pour défendre cette position. Le pauvre est mal barré. Pour rien au monde je n’échangerais nos places. Il se racle la gorge, toussote d’un air qu’il voudrait compétent. Moi je regarde l’auditoire et les filets de salive suspendus à ses lèvres. Du coup le diagnostic m’échappe, ou peut-être je n’y comprends rien, et la Juge doit lui demander d’arti­culer encore une fois. Alors, en détachant mieux les syllabes : per­pétuité. Après qu’il a lâché ce mot, son visage pris de vertige se decompose ; il se retourne vers ses collègues, guettant un signe d’ap­probation, mais les autres ont disparu dans leurs cols de chemise et ne sont plus en état de hocher la tête. Il se met à chercher un appui dans la salle, un point quelconque où fixer son regard ; il ne trouve pas; partout le bois travaille et bouge, les lattes craquent sous le poids de ceux qui sont morts. Il s’égare plusieurs heures, puis ajoute d’une voix qui me paraît manquer de conviction : « Car s’il est difficile de juger de la personnalité de l’accusé ou des raisons de son acte, étant donné sa mauvaise volonté évidente et son refus de coopérer avec la justice, les faits du moins sont clairement établis. »

 

On en revient donc aux faits : je me suis trouvé mêlé à une affaire de meurtre. Par un beau matin de février, un peu froid mais lumineux, je suis descendu dans la rue armé d’un pistolet et j’ai tué trois per­sonnes. C’étaient apparemment des gens que je ne connaissais pas, et qui ne m’avaient rien demandé. Ils étaient des êtres humains, moi aussi peut-être, et ça ne se passait pas trop mal. ensuite les cinquante­ quatre témoins ont compté sept ou huit coups de feu. Moi j’ai vu les rosaces de cervelle jaillir sur le trottoir. La rue brusquement cathé­drale. Les grandes orgues qui se mettaient en marche.

Alors c’est clairement établi, mais ils ne comprennent pas. Assis bon an mal an sur cette mauvaise chaise, je vois bien qu’ils sont perplexes, ils meurent d’envie de me demander: « Vous comprenez, vous ? » – et je pourrais toujours répondre : « Oh, moi, au point où j’en suis, vous savez… » — et pourtant je préfère m’abstenir : je ne voudrais pas être complice de quoi que ce soit. Pour une fois que je suis acteur, moi l’éternel témoin, je n’ai aucune raison de me mettre à table. Ils demandent : étiez-vous atteint, au moment des faits, d’un trouble psychique ayant aboli la jugeote de votre discernement ? Ce problème les intrigue. Avec beaucoup de bonne volonté, moi aussi je m’interroge. Je ne sais pas la tête d’un discernement aboli. Je n’ai jamais eu le plaisir. Mon avocat dit oui, oui, oui. Aboli, absolument. Aboli, c’est le mot. Il a l’air sûr que si. L’expert nous en met plein la vue avec son expertise : il a le regard vitreux, aime s’écouter parler et emploie des formules qui reviennent à dire peut-être, mais peut-être pas ; on ne peut pas trop savoir, l’indétermination, de nos jours, vous savez… Ma bouche à moi ? Ma bouche. Elle est fermée. Pas demain la veille qu’elle s’ouvrira. D’ailleurs, ça les arrange: pour être un fou convenable, il faut parler beaucoup et d’abondance, ou rien et pas du tout ; on a fait les calculs, chacun dans notre coin, sans se consulter, et on est tous tombés sur le même résultat : d’un point de vue rationnel, la seconde solution est plus économique.

 

Je suis maître du silence tandis qu’ils gesticulent dans leurs robes noires beaucoup trop larges pour eux – pointent sur moi des index qui s’allongent comme ceux d’inquisiteurs. Ils disent Nexus a fait, Nexus a déclaré, Nexus se mure dans le silence et ne montre aucun remords. Nexus paraît-il c’est mon nom. Il est très malheureux, Nexus, assailli de toutes parts, encerclé de questions devant et der­rière par les regards qui donnent des fourmis dans la nuque. Enfin : à en croire la tête du contrit d’office à côté de moi, je suis en passe de gagner. Ça ne m’amuse pas beaucoup. Ces procédures judiciaires sont très lourdes, épuisantes. Bien que j’aie envie de dormir, je n’y arrive pas, et je sais de toute façon que ça ne servirait à rien. Laisser passer l’orage. Parfois leur arrogance va au-delà de la mesure, je m’apprête à intervenir, sauf que ça n’est jamais mon tour ou que ma mâchoire s’est engourdie : la fourmilière, encore un coup. Je me chuchote des apaisements et des résignations.

 

Au matin du cinquième jour c’est l’heure des grands mots fati­diques. Mon front tombe à grosses gouttes sur le parquet. Parce qu’il s’est mis à faire très chaud, un peu trop chaud pour l’homme. À part perpétuité, l’autre mot important du procès ç’a été canicule : tous les ploucs de la cour d’assises macéraient dans leur sueur. Une fois le verdict proclamé, la salle s’agite autour de moi. Les gens veulent tout à coup dire un tas de choses à leurs voisins. J’entends les bancs de bois murmurer que le verdict est devenu fou. Jamais on n’a vu un jury coller perpétuité à un irresponsable. Certains pieds de chaise crient au scandale, d’autres – à vue de nez plus nombreux – que c’est bien fait pour lui. Depuis plusieurs minutes ça m’ordonne de me lever, mais je me trouve mieux assis, même sur cette mauvaise chaise. Ensuite ça demande si je veux réagir. Rien du tout. Qu’ils fassent comme ils l’entendent. Moi de toute façon je n’en ai plus pour longtemps.

 

À la fin ils m’ont enfermé pour toujours dans un monde gris de peut-être six ou sept mètres carrés, promenade une fois par jour, manger trois fois par jour. Le lit était en fer, qui est un métal froid, et on ne dormait pas quand on veut. Par chance on ne m’y a pas laissé moisir. Perpétuité, en bon langage, veut dire jusqu’à ce qu’on meure. Mais le sens des mots, aujourd’hui, vous savez, avec ces êtres humains instables et lunatiques… Le lit d’après était mieux, le monde un peu plus vaste, très blanc, les gens plus gentils, éga­lement tout en blanc, qui est la couleur de rigueur dans les cliniques de luxe. J’ai appris ça par une infirmière noire qui trouvait le choix politiquement limite. On a parlé un peu. Je la revois qui se concentre et dit : la pureté c’est très monotone. Et elle ajoute : c’est d’un autre âge, c’est anarchique. Il y a une chance qu’elle veuille dire archaïque. Néanmoins je me garderai bien de lui faire la remarque : moi aussi il m’a fallu le temps avant de passer expert en mots, et on voit bien que ce n’est pas mon rôle de corriger. Elle était ronde et belle, pas­sionnée de couleurs, elle me demandait avec un rire de gorge si j’étais un impur. Si je voulais de la couleur, elle essaierait de m’en apporter, il fallait juste que je lui dise quoi. J’ai dit que je voulais du bleu. Elle m’a tendu la main : tope là, monsieur Nexus, du bleu, c’est entendu. Puis en fait non : ce n’était pas possible, le règlement interdisait le bleu en général et pour moi en particulier. Désolée, dit mon infirmière. Une fois n’est pas coutume, elle en a vraiment l’air. Je la rassure que ce n’est pas grave. Le bleu comme j’aurais voulu, la nuance, vous n’auriez pas trouvé, de toute façon. Sou­riante comme jamais, elle tente de me consoler : « mon pauvre monsieur Nexus ! Avec le temps on se fait à tout. » C’est sagesse populaire ; ça ne coûte pas grand-chose. Personnellement je savais que c’était faux, l’inhumain il reste inhumain, mais comme j’étais là pour toujours il n’y avait qu’à hocher la tête. Quand on habite dans une clinique, la résistance est un gâchis. Ça mène droit aux pilules assommantes. Au fil des semaines, j’ai pris les habitudes du pantin de bois qui se laisse ballotter par la justice et reste docile même quand elle est incohérente. La date s’appelait le 4 octobre quand on m’a annoncé un nouveau transfert. « Dans trois jours. On va s’occuper de vous. » Mon infirmière impure ne soupçonne pas le poids de ses phrases. Jusqu’alors j’étais content qu’on ne s’occupe pas trop de moi. J’étais dans la presqu’île – il s’y dresse une cita­delle intérieure, il y règne un silence éternel. Puisque le monde était hostile, j’avais choisi d’être à moi-même mon propre lieu, mon propre et unique habitant. Plus besoin de voir du pays. Mais sans doute ce qui me plaît à moi ne leur plaît pas à eux. Bizarre.

 

Maintenant ils m’ont emmené dans la grande maison qui n’en finit plus, dont les pièces tournent en rond et ne sont jamais les mêmes. Des yeux globuleux courent au plafond et surveillent le moindre de mes gestes. Qu’est-ce que je fais là au juste ? Ce n’est pas ma place. Il faut à tout prix que j’y aille. Pas impossible que d’ici peu je regrette mon fer gris, mon lit blanc. J’appréhende le retour des questions. Je ne peux plus les supporter. Leurs pourquoi? se sont agrégés en excès, ça fait la boule d’obstruction dans ma gorge. Au procès, ils m’ont tellement submergé de questions, des jours entiers, dans un déluge, que j’ai fini par me mettre debout, très droit, trop raide, pour leur administrer la grande raclée: je leur ai confessé que j’avais sauvé le monde. Je leur ai dit madame la Juge, mesdames, messieurs… que vous le vouliez ou non, et sauf votre respect: j’ai su venger cette terre de la négligence des dieux.

 

© Vincent Message

 


Dieser schlechte Stuhl

Glaubt man ihren Offenbarungen, muss ich auf jeden Fall verrückt sein. Sie haben die ganze Nacht hinter verschlossenen Türen getagt, und jetzt, nachdem die Müdigkeit sie schließlich zu einer Einigung gezwungen hat, können sie zweifelsfrei behaupten: So ist es. Einer von ihnen tritt vor die Schranke, um ihren Standpunkt zu vertreten. Der Arme! Um nichts in der Welt würde ich mit ihm tauschen. Er hüstelt und räuspert sich, um Kompetenz zu markieren. Ich betrachte das Publikum und die Speichelfäden an seinen Lippen. So entgeht mir die Diagnose, vielleicht verstehe ich sie auch nicht, und die Richterin muss ihn auffordern, sie zu wiederholen. Jetzt trennt er die Silben deutlicher: Le-bens-läng-lich. Nachdem er das ausgesprochen hat, verzerrt sich sein Gesicht vor Schreck; er dreht sich zu seinen Kollegen um, erwartet ein Zeichen der Zustimmung, aber die anderen haben die Köpfe in die Hemdkragen eingezogen und sind nicht imstande zu nicken. Er sucht im Saal nach Halt, nach einem Punkt, auf den er den Blick heften kann; findet keinen; überall arbeitet und regt sich das Holz, Latten knacken unter dem Gewicht derer, die tot sind. Er verliert sich für ein paar Stunden, dann fügt er in einem Ton, der mir nicht allzu überzeugend vorkommt, hinzu: “Wenn es auch angesichts seines offenkundig bösen Willens und seiner Weigerung, mit der Justiz zu kooperieren, schwerfällt, die Persönlichkeit des Angeklagten oder die Gründe seiner Tat zu beurteilen, sind wenigstens die Fakten klar erwiesen.”

Kommen wir also zu den Fakten: Ich bin in eine Mordsache verwickelt. An einem schönen, etwas kalten, aber lichten Februarmorgen ging ich mit einer Pistole bewaffnet die Straße entlang und tötete drei Personen. Anscheinend Leute, die ich nicht kannte und die nichts von mir wollten. Sie waren menschliche Wesen, ich vielleicht auch, und es lief gar nicht schlecht. Dann hörten vierundfünfzig Zeugen sieben oder acht Schüsse. Ich sah Rosetten von Gehirn auf den Gehsteig spritzen. Die Straße quasi Kathedrale. Die großen Orgeln gingen los.

Das ist also klar erwiesen, aber sie begreifen es nicht. Ich, der jahraus jahrein auf diesem schlechten Stuhl sitzt, merke genau, dass sie ratlos sind, sie würden mich am liebsten fragen: “Verstehen Sie es?”, und ich könnte jederzeit antworten: “Ach, wissen Sie, in meiner Lage …”, aber ich lasse es lieber: Ich möchte mich nicht an irgendwas mitschuldig machen. Wenn ich, der ewige Zeuge, schon einmal Täter bin, habe ich gar keinen Grund, alles auf den Tisch zu legen. Sie fragen: Waren Sie zum Tatzeitpunkt Opfer einer psychischen Störung, die Ihr Urteilsvermögen ausgeschaltet hat, quasi plemplem? Dieses Problem beschäftigt sie. Voll guten Willens befrage ich mich selbst. Ich weiß nicht, wie ein ausgeschaltetes Urteilsvermögen aussieht. Ich hatte noch nicht das Vergnügen. Mein Anwalt sagt Ja, Ja, Ja. Vollkommen ausgeschaltet. Das ist das richtige Wort. Er sieht aus, als wäre er sich vollkommen sicher. Der Sachverständige will uns mit seinem Sachverstand beeindrucken. Sein Blick ist glasig, er hört sich gern reden und gebraucht Formeln, die letztlich auf nichts anderes hinauslaufen als auf ein vielleicht, aber vielleicht auch nicht; wir können nicht allzu viel dazu sagen, wissen Sie, diese Unbestimmtheit heutzutage … Mein Mund? Mein Mund. Ist verschlossen. Und wird sich weder morgen noch übermorgen öffnen. Das passt ihnen übrigens gut ins Konzept: Als anständiger Irrer redet man zu viel Überflüssiges oder überhaupt gar nichts; wir haben es berechnet, jeder in seiner Ecke, ohne uns darüber auszutauschen, und sind zu demselben Ergebnis gelangt: Rational betrachtet, ist die zweite Lösung ökonomischer.

Im Schweigen bin ich Meister, sie gestikulieren in ihren schwarzen Roben, die ihnen viel zu groß sind – und zeigen mit Fingern auf mich, die immer länger werden, wie bei den Inquisitoren. Nexus hat dies getan, sagen sie, Nexus hat jenes behauptet, Nexus schweigt verstockt und zeigt keine Reue. Nexus ist anscheinend mein Name. Der arme Nexus, von allen Seiten angegriffen, von vorn und hinten mit fragenden Blicken umstellt, die im Nacken kribbeln wie Ameisen. Wenn man meinem Zwangsverteidiger neben mir ins Gesicht schaut, könnte man meinen, ich habe gewonnen. Ich finde das nicht besonders lustig. Solche gerichtlichen Verfahren sind sehr hart und ermüdend. Ich würde gern schlafen, aber ich kann nicht, und ich weiß, dass es ohnehin nichts helfen würde. Am besten das Gewitter vorbeiziehen lassen. Manchmal, wenn sie zu weit gehen mit ihrer Überheblichkeit, will ich etwas sagen, aber ich bin ja nie dran, und mein Kiefer ist taub – Ameisenhaufen quasi. Stattdessen flüstere ich mir Beruhigung und Ergebung ein.

Am Morgen des fünften Tages schlägt die Stunde der großen Schicksalsworte. Meine Stirn rinnt in dicken Tropfen aufs Parkett. Weil es nämlich recht heiß ist, ein bisschen zu heiß für den Menschen. Von „lebenslänglich“ abgesehen, war das wichtigste Wort des Prozesses „Affenhitze“: Die ganzen Trottel vom Gericht mazerierten in ihrem Schweiß. Nach dem Urteilsspruch kommt Bewegung in den Saal um mich herum. Auf einmal wollen die Leute ganz viel zu ihren Nachbarn sagen. Ich höre die Holzbänke murmeln, das Urteil sei verrückt. Noch nie hätte ein Unzurechnungsfähiger Lebenslänglich bekommen. Ein paar Stuhlbeine kreischen Skandal, andere, über den Daumen gepeilt mehr: Geschieht ihm ganz recht. Seit ein paar Minuten heißt der Befehl Aufstehen, aber ich finde Sitzen besser, auch auf diesem schlechten Stuhl. Dann lautet die Frage, ob ich etwas sagen will. Überhaupt nicht. Sie sollen tun, was sie für richtig halten. Für mich ist es eh bald vorbei.

Am Ende haben sie mich für immer in eine graue Welt von vielleicht sechs, sieben Quadratmetern eingesperrt, einmal am Tag Hofgang, dreimal am Tag Essen. Das Bett war aus Eisen, einem kalten Metall, und man konnte nicht schlafen, wann man wollte. Glücklicherweise haben sie mich nicht dort verschimmeln lassen. Beim Wort genommen, heißt „Lebenslänglich“: bis man stirbt. Aber der Sinn der Wörter heutzutage, wissen Sie, bei diesen labilen, launischen Menschen … Das Bett danach war besser, die Welt ein wenig größer und sehr weiß, die Leute waren netter und auch ganz in Weiß, was in Luxuskliniken vorgeschrieben ist. Das habe ich von einer schwarzen Krankenschwester, die diese Entscheidung politisch grenzwertig fand. Wir haben ein bisschen geredet. Ich sehe sie vor mir, wie sie sich konzentriert und dann sagt: Reinheit ist sehr monoton. Und hinzufügt: Das kommt aus einer anderen Zeit, es ist anarchisch. Möglicherweise meint sie anachronistisch. Aber ich werde mich hüten, sie darauf hinzuweisen. Ich habe lange genug gebraucht, um als Wortexperte durchzugehen, und es kommt mir selbstverständlich nicht zu, andere zu verbessern. Sie war rund und hübsch und schwärmte für Farben, sie fragte mit einem kehligen Lachen, ob ich ein Unreiner sei. Wenn ich mir eine Farbe wünschte, würde sie versuchen, sie mir zu besorgen, ich müsste ihr nur sagen, welche. Blau, sagte ich. Sie streckte mir ihre Hand entgegen: Schlag ein, Herr Nexus, Blau, okay. Aber nein: Es war unmöglich, die Vorschriften untersagten Blau im allgemeinen und für mich im besonderen. Einmal ist keinmal, sagte meine Krankenschwester, tut mir sehr Leid. Und sie sah wirklich so aus. Ist nicht so schlimm, beruhigte ich sie. Das Blau, das ich haben wollte, diesen speziellen Farbton hätten Sie ohnehin nicht gefunden. Mit einem noch strahlenderen Lächeln als sonst versuchte sie mich zu trösten: “Mein armer Herr Nexus! Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles.” Das ist die Weisheit der einfachen Leute – kostet nicht viel. Ich dagegen wusste, dass das falsch war, unmenschlich bleibt unmenschlich, aber da sie mich für immer dort eingesperrt hatten, blieb mir nichts anderes übrig als zu nicken. Wenn man in einer Klinik lebt, ist Widerstand Verschwendung. Er führt direkt zu Beruhigungspillen. Nach ein paar Wochen hatte ich die Gewohnheiten eines hölzernen Hampelmanns angenommen, der sich von der Justiz beuteln lässt und brav bleibt, auch wenn sie inkonsistent ist. Das Datum lautete 4. Oktober: “In drei Tagen ist Ihre Verlegung. Man wird sich um Sie kümmern.” Meine unreine Krankenschwester ahnte nichts vom Gewicht ihrer Worte. Bis dahin war ich froh, dass sich um mich nicht allzu sehr gekümmert wurde. Ich lebte fast auf einer Insel – dort erhob sich eine Zitadelle, und es herrschte ewiges Schweigen. Weil die Welt feindselig war, hatte ich beschlossen, mein eigener Ort zu sein, mein einziger Bewohner. Kein Bedarf mehr, Land zu sehen. Aber was mir gefällt, gefällt denen wahrscheinlich nicht. Merkwürdig.

Jetzt haben sie mich in das große Haus gebracht, das gar nicht endet, die Zimmer drehen sich im Kreis und sind nie dieselben. Glubschaugen laufen am Plafond entlang und überwachen jede Bewegung. Was tu ich hier eigentlich? Das ist kein Platz für mich. Ich muss unbedingt weg. Womöglich weine ich schon bald meinem grauen Eisenbett, den weißen Laken hinterher. Ich fürchte mich vor einer Wiederkehr der Fragen. Ich halte das nicht mehr aus. Ihre viel zu vielen Warums sind zu einem hartnäckigen Kloß in meinem Hals verklebt. Beim Prozess haben sie mich tagelang mit einer solchen Sintflut von Fragen überschüttet, dass ich am Ende aufgestanden bin und ihnen sehr gerade, sehr steif die große Abreibung verpasste: Ich gestand, dass ich die Welt gerettet habe. Frau Richter, meine Damen und Herren, bei allem Respekt … ob Sie es wollen oder nicht: Es ist mir gelungen, unsere Erde für die Achtlosigkeit der Götter zu rächen.

 


© Deutsche Übersetzung: Brigitte Große

 

[deutsche Übersetzung: weiter unten]

2. Première nuit au Tram 83 : Nuit de la débauche, nuit de la beuverie, nuit de la mendicité, nuit de l’éjaculation précoce, nuit de la syphilis et autres maladies sexuellement transmissibles, nuit de la prostitution, nuit de la débrouille, nuit de la danse et de la danse, nuit qui engendre des choses qui n’existent qu’entre un excès de bière et l’intention de vider sa poche qui exhale les minerais de sang, cette bouse juchée au rang des matières premières, au commencement était la pierre…  

-Nous marchions dans les ténèbres de l’histoire. Nous étions des vaches à lait d’un système de pensée qui tirait profit de notre jeune âge, qui nous écrasait complètement. Nous étions une merde. 

-Nous avions un idéal, l’innocence… 

-L’innocence, reprit Requiem, éclatant de rire. Tu veux bien dire l’innocence ? L’innocence est une lâcheté. Il faut vivre avec son époque, mon frère. 

-Tu n’as pas changé d’un seul cheveu. 

-Ici, on ne vieillit pas, on existe tout simplement. 

-Requiem… 

-Ici, le Nouveau-Mexique, chacun pour soi, la merde pour tous.

 

Le Tram 83 était du nombre des restaurants et bars à traînées les plus achalandés. Sa renommée s’étendait au-delà des frontières de la Ville-Pays. Voir le Tram 83 et crever, rabâchaient les touristes qui débarquaient des quatre coins de la terre pour expédier les affaires courantes. La journée, ils erraient tels des zombies dans les concessions minières qu’ils possédaient à tour de bras et la nuit, ils atterrissaient au Tram 83, histoire de se rafraîchir la mémoire. Ainsi l’endroit passait pour un vrai théâtre à défaut d’un grand cirque. Voilà ce qu’on pouvait entendre en bruit de fond. 

-J’ai envie de te masser en guise de préliminaires, puis te sucer lentement, sucer tout ton corps, sucer à finir la salive de ma bouche. 

Non seulement au Tram 83, mais même à l’université et dans les mines, les femmes libres ne se privaient pas d’accoster les potentiels clients avec les mêmes psaumes. 

Ou musiciens par inadvertance ou prostituées du troisième âge ou prestidigitateurs ou pasteurs des églises de réveil ou étudiants aux allures de mécano ou médecins diagnostiquant dans les boîtes de nuit ou jeunes journalistes déjà à la retraite ou travestis ou bradeurs des chaussures de second pied ou amateurs de films pornos ou bandits de grand chemin ou proxénètes ou avocats radiés du barreau ou hommes à tout faire ou ex-transsexuels ou trafiquants d’armes ou pirates de mer ou demandeurs d’asile politique ou escrocs en bande organisée ou archéologues ou chasseurs de prime à la manque ou aventuriers des temps modernes ou explorateurs à la recherche d’une civilisation perdue ou vendeurs d’organes ou philosophes de basse-cour ou vendeurs d’eau fraîche à la criée ou coiffeurs ou cireurs ou réparateurs de pièces de rechange ou veuves de militaires ou obsédés sexuels ou férus de romans à l’eau de rose ou rebelles dissidents ou frères en Christ ou druides ou chamans ou vendeurs d’aphrodisiaques ou écrivains publics ou vendeurs de vrais faux passeports ou trafiquants d’armes à feu ou portefaix ou brocanteurs ou prospecteurs miniers à court de liquidités ou frères siamois ou mamelouks ou coupeurs des routes ou tirailleurs ou aruspices ou faux-monnayeurs ou militaires en mal de viol ou buveurs de lait frelaté ou boulangers autodidactes ou marabouts ou mercenaires se réclamant de Bob Denard ou alcooliques invétérés ou creuseurs ou miliciens autoproclamés «maîtres de la terre» ou politiciens «m’as-tu vu» ou enfants-soldats ou coopérants à bras-le-corps mille projets cauchemardesques de construction de chemins de fer et d’exploitations artisanales de minerais de cuivre et de manganèse ou canetons ou dealers ou aides-serveuses ou livreurs de pizza ou vendeurs d’hormones de croissance, toutes sortes de peuplades envahissent le Tram 83, en quête d’un bonheur bon marché. 

 

© Fiston Mwanza


2. Erste Nacht im Tram 83: Nacht der Ausschweifung, Nacht der Sauferei, Nacht der Schnorrerei, Nacht der vorzeitigen Samenergüsse, Nacht der Syphilis und anderer Geschlechtskrankheiten, Nacht der Prostitution, Nacht der Gewieftheit, Nacht des Tanzes und des Tanzes, Nacht, die all das gebiert, was nur existiert, wenn einem Bierexzess der feste Vorsatz folgt, seine Tasche zu leeren, die blutiges Erz ausdünstet, diesen Kuhmist, der in den Rang eines Rohstoffs erhoben wurde, im Anfang war der Stein …

 

„Wir marschierten durch das Dunkel der Geschichte. Wir waren die Melkkühe eines Denksystems, das Profit aus unserer Jugend schlug und uns völlig erdrückte. Wir waren die letzte Scheiße.”

„Wir hatten ein Ideal – Unschuld…”

„Unschuld”, platzte Requiem lachend heraus. „Hast du wirklich Unschuld gesagt? Unschuld ist nichts anderes als Feigheit. Man muss mit der Zeit gehen, Bruder.”

„Du hast dich kein bisschen verändert.”

„Hier wird man nicht alt, hier vegetiert man nur vor sich hin.”

„Requiem …”

„Das hier ist Neu-Mexiko. Hier gilt das Motto: jeder für sich und Scheiße für alle.”

Das Tram 83 zählte zu den vielen Restaurants und Anmach-Schuppen. Sein Ruf reichte weit über die Grenzen von Stadt-Land hinaus. Das Tram 83 sehen und sterben, faselten die Touristen, die aus allen Weltgegenden kamen, um laufende Geschäfte abzuschließen. Tagsüber irrten sie wie Zombies durch die zum Abbau freigegebenen Minen, von denen sie Unmengen besaßen, und nachts landeten sie im Tram 83, um ihr Gedächtnis aufzufrischen. So ging der Ort für ein großes Theater durch, da es ja keinen Zirkus gab. Hier, was von den Hintergrundgeräuschen zu vernehmen war.

 

“Ich könnte dich beim Vorspiel massieren und dich dann langsam lecken, deinen ganzen Körper lecken, lecken bis kein Speichel mehr in meinem Mund ist.”

Nicht nur im Tram 83, sogar in der Universität und in den Minen konnten die unabhängigen Frauen es nicht lassen, mögliche Kunden mit den immergleichen Psalmen anzuquatschen.

Musiker aus Versehen oder Prostituierte im Rentenalter oder Taschenspieler oder Pfingstkirchenpfarrer oder Studenten mit Mechanikerallüren oder Nachtklubärzte oder pensionierte Jungjournalisten oder Transvestiten oder Trödler für Schuhe aus zweitem Fuß oder Liebhaber von Pornofilmen oder Straßenräuber oder Zuhälter oder Anwälte mit entzogener Zulassung oder Handlanger oder Ex-Transsexuelle oder Waffenhändler oder Piraten oder politische Asylbewerber oder organisierte Kleinkriminelle oder Archäologen oder unfähige Kopfgeldjäger oder moderne Abenteurer oder Forscher auf der Suche nach einer untergegangenen Zivilisation oder Organhändler oder Hühnerhofphilosophen oder Wasserverkäufer oder Frisöre oder Schuhputzer oder Ersatzteilreparateure oder Soldaten-Witwen oder Sexsüchtige oder Romanliebhaber oder aufständische Dissidenten oder Brüder in Christo oder Druiden oder Schamanen oder Potenzmittelverkäufer oder öffentliche Schreiber oder Händler echter gefälschter Pässe oder Schusswaffenhändler oder Lastenträger oder Altwarenhändler oder Erzschürfer in Geldnot oder siamesische Zwillinge oder Mamelucken oder Wegelagerer oder Infanteristen oder Haruspexe oder Falschmünzer oder Soldaten ohne Gelegenheit zu vergewaltigen oder Trinker gepanschter Milch oder autodidaktische Bäcker oder Marabus oder Söldner, die sich auf Bob Denard beriefen, oder Gewohnheitstrinker oder Minenarbeiter oder Milizionäre oder selbsternannte „Könige der Welt” oder angeberische Politiker oder Kindersoldaten oder Entwicklungshelfer mit tausend albtraumhaften Projekten, wie Bahnlinien und Kupfererz- und Manganabbau in Handarbeit, oder Küken oder Dealer oder Hilfskellnerinnen oder Pizzaboten oder Wachstumshormonhändler, allerlei Volk strömte ins Tram 83 auf der Suche nach dem billigen Glück.

 

 


© Deutsche Übersetzung: Katharina Meyer; Lektorat: Gernot Krämer

 

[deutsche Nachdichtung: weiter unten]

 

Our architect is famed for identical buildings:

The School of Broken Necks in Toronto,

The Yahtzee Institute in Bethlehem,

one bleached white, the other grey.

Ours famously fluctuates between the two;

where hockey teams slam their ochre girlfriends

against its dim corridors. Basements hum

with password-protected short stories.

Young minds so deep inside the library

that the very act of standing up

would be like unplugging the lake.

But if legend is correct

and the higher functions of a university

are built around an ancient reptilian brain

then surely this is it— a closed burger van

chronicling the evening’s takings.

The last member of an improv group

selects Iron Maiden for the journey home.

Trainee nurses swing their arms

under the sepia of the streetlights;

the hold music of the sky.

 

© Ross Sutherland


 

Nackt III

Unser Architekt ist für seine baugleichen Gebäude berühmt:

Die Schule der Gebrochenen Hälse in Toronto,

Das Kniffel-Institut in Bethlehem,

eines bleichweiß, das andere grau.

Unsers wechselt famos zwischen beiden hin und her;

dort wo Hockeymannschaften ihre ockerfarbenen Freundinnen

in seinen dämmrigen Fluren knallen. Keller voller

passwortgeschützter Kurzgeschichten.

Junge Gemüter, die so tief in der Bibliothek festsitzen,

dass das schiere Aufstehen wäre

wie einem See den Stöpsel zu ziehen.

Wenn aber die Legende stimmt,

wonach die höheren Aufgabenbereiche einer Universität

um ein altes Reptilienhirn herum angesiedelt sind,

dann trifft das hier wohl zu – ein Imbisswagen, der geschlossen hat

und Aufzeichnungen zu den Abendeinnahmen macht.

Das letzte Mitglied einer Improgruppe

wählt für den Heimweg Iron Maiden.

Azubikrankenschwestern schlenkern ihre Arme

im Sepia der Straßenbeleuchtung;

die Warteschleifenmusik des Himmels.


© Deutsche Nachdichtung: Konstantin Ames

[deutsche Nachdichtung: weiter unten]

“Many believe that Zangief entered the tournament out of his fierce respect for his country, but they are only partially correct. Zangief loves his country, but he loves to stomp on his opponents even more. What else would you expect from a man who wrestles bears for fun?” –SNES manual

Arriving on the black isle’s shores alone,

the Russian picks his partner from the trees,

fur stinking of shit, its idle drone

a waltz, the final dance of amputees.

His thumb pushes back its narrow skull,

the claw lacerations masked by ginseng,

the thin air, leaving his sense so dull

that the snap of its neck is unconvincing.

It makes a map of Russia with its death:

the ice cracking beneath it, slick with red.

Perhaps this is why the wrestler hefts

the beast a mile back to the boat instead

of cleaning wounds or bandaging his veins:

he bleeds until he sees those stars again.

© Ross Sutherland


„Viele glauben, dass Zangief aus leidenschaftlicher Liebe zu seinem Land dem Wettkampf beigetreten ist, aber das stimmt nur zum Teil. Zwar liebt Zangief sein Land, aber viel mehr noch als das liebt er es, seine Gegner plattzumachen. Was sollte man auch sonst von einem Mann erwarten, der aus Übermut mit Bären ringt?“ (SNES-Handbuch)

Als er allein an den Stränden der schwarzen Insel anlandet,

pflückt sich der Russe seinen Gespielen von den Bäumen,

Pelz stinkt nach Scheiße, sein leeres Dröhnen

ein Walzer, ein letzter Tanz unter Amputierten.

Sein Daumen biegt die schmale Rummel nach hinten,

die Klauenwunden, bedeckt mit Ginseng,

die dünne Luft, benebeln seine Sinne derart,

dass das Brechen des Genicks wenig überzeugt ist.

Eine Flächenkarte von Russland fertigt es an mit seinem Tod:

Unter ihm bricht das Eis auf, rötlicher Schlick.

Vielleicht hievt der Ringer deshalb

das Untier eine ganze Meile bis zum Boot, statt

seine Wunden zu säubern und seine Venen zu verbinden:

Er blutet, bis er diese Sterne wiedersieht.


© Deutsche Nachdichtung: Konstantin Ames

(Die folgenden Verlinkungen liefern weitergehende Informationen und dokumentieren die Lesart oder abgeleitete Notizen von Kuratorin Simone Kornappel; deutschsprachige Nachdichtung weiter unten)

 

Richard Branson

(Cambridge, 2012)

 

My love, I feel like this print of Rothko.

I am small and glassy and I want to impress you,

even if it means murdering one of your work colleagues.

You think if you stare long enough at your noodles

you’ll see the combination to the safe.                         → Cambridge,  1968

I don’t have the heart to tell you the truth.

Even the elephant on the 20 Rand note you gave me

for good luck back in 2009 will end up spent in the end.

You adjust my tie and I grow a little older.

On cold hungover days, the white sun follows us

through Jesus Green to Yippee Noodle.

Shrek watches from the electrical shop across the street;

seven Shreks, running in parallel

across a burning rope bridge.

It’s impossible to root for any of them.

A millionaire’s hairstyle

is trapped in the era that they first made their money.

The air turns green above the poles of the Earth.

© Ross Sutherland


Richard Branson

(Cambrigde im Jahr 2012)

Mein Liebling, ich fühle mich wie dieser Kunstdruck von Rothko.

Ich bin klein und glasig, und ich will dir imponieren,

selbst wenn ich dafür einen deiner Arbeitskollegen abmurksen müsste.

Du denkst, dass du nur lange genug auf die Nudeln starren musst

um auf die Kombination des Safes zu kommen.

Ich bringe es nicht übers Herz, dir die Wahrheit zu sagen.

Selbst der Elefant auf dem Zwanzig-Rand-Schein, den du mir

als Glücksbringer überreicht hast, anno 2009, wird letztendlich verausgabt enden.

Du rückst meine Krawatte zurecht, ziehst sie fest, und ich werde etwas älter.

An kalten Katertagen folgt die weißglühende Sonne uns

Durchs Jesus Green zum YippeeNoodle.

Shrek beobachtet uns vom Elektroladen auf der andern Straßenseite aus;

sieben Shreks, die parallel zueinander

über eine brennende Hängebrücke rennen.

Unmöglich, auch nur einen von ihnen anzufeuern.

Eines Millionärs Haartracht

bleibt der Ära verhaftet, in der sie ihr erstes Geld verdient haben.

Die Luft ergrünt über den Polen der Erde.

 


 

© Deutsche Nachdichtung: Konstantin Ames

Kommentare am Originaltext: Simone Kornappel

[deutsche Nachdichtung: weiter unten]

 

I told you what was in my heart.

You asked me to prove it, so

 

the next day,

I brought round the x-ray.

 

This here, I said, tapping the acetate,

is the shadow cast by a sleepless dervish.

 

And these black spots across my left ventricle

are starlings above a collapsing pier.

 

This mass here

is a hospital lost in a power cut.

 

And this rather dark abrasion

is a dead fox overlapping an empty wardrobe.

 

Naturally, you were sceptical,

turning the sheet over and over,

 

holding it up to different lights,

calling in the neighbours for a second opinion.

 

My monochrome torso went up in the window

and we all stared at it from across the room,

 

as if looking at my very own exhumed grave—

a skeleton jammed in a chimney flume.

 

And I knew that to the untrained eye,

the September evening in my chest looked mild.

 

But I trusted you, implicitly,

to take your coat with you

 

on the way out.

 

© Ross Sutherland


 

Eine zweite Meinung

 

Mein Innerstes offenbarte ich dir.

Du batst um Beweise, also

 

brachte ich am nächsten Tag

einen Röntgenapparat vorbei.

 

Das da, ich klopfte aufs Azetat,

ist der Schattenschlag eines ruhelosen Derwischs.

 

Und diese dunklen Male, verteilt über meine linke Herzkammer,

sind Stare oberhalb eines verfallenden Hafendamms.

 

Hier diese Ansammlung

ist ein dem Stromausfall anheimgegebenes Krankenhaus.

 

Und dieser ziemlich finstere Abschürfung

ist ein über einen leeren Kleiderschrank gehängter toter Fuchs.

 

Du warst natürlich skeptisch

und hast die Folie hin- und her gewendet,

 

sie in verschiedenen Lichtverhältnissen begutachtet,

die Nachbarn hinzugezogen, einer zweiten Meinung wegen.

 

Mein einfarbiger Torso stieg im Fenster auf,

und wir alle starrten ihn quer durch den Raum an,

 

gerade so, als wenn wir mein frisch exhumiertes Grab besähen –

ein Skelett, das im Schornstein feststeckt.

 

Und mir ist klar, dass auf den ungeübten Betrachter

der Septemberabend in meiner Brust milde gewirkt haben muss.

 

Ich habe jedoch unausgesprochen darauf vertraut,

dass du deinen Mantel mit dir nimmst

 

nach draußen.


© Deutsche Nachdichtung: Konstantin Ames

[deutsche Nachdichtung: weiter unten]

 

1. Hypothesis

 

I suggest, were we to collide,

our compounds would bond like people do.

Then, once we cut away the control,

Love (L) would be evident —

 

for I strongly believe

our diagnostics

hide this volatile, stupefying element.

 

 

2. Apparatus

 

Let us take a moon, hung low with commentary;

add our last reserves of serotonin.

Tan lines, mouthwash,

Charlie Parker, candle wax,

a bus pass, the Humber,

a few funny jpegs,

the way she lifts her leg into the waiting car, two winters,

a faded poster of Lakshmi,

a walk-on cast of thousands,

and a minimum of two strong drinks

 

(but the goggles are optional, my sweetness).

 

 

3. Diagram

 

The first draft is easy, public toilet stuff.

Arrows aimed at the obvious organs.

A quick sketch of the soul

that would make good John Venn blush.

 

Yet remember. This is not to scale.

Only functional processes and direction of data.

The flow charts stack up like decommissioned fridges,

the spaghetti programming of the heart.

 

Next the ghosts of each miscalculation,

each angle of vision, erased and redrawn,

all appear equal in your calipered eye, indelible to the whiteout of time.

 

In its final state, the vortices spiral,

the subatomic data reflecting the whole.

The heart’s fractal. The clinical vision.

The exploded body. The bloodless incision.

 

 

4. Method

 

We begin with the control data:

tick-box stimuli we know we can trust.

Food we discuss,

and the state of the pavements.

 

By 2200hrs, advanced testing:

distrust of siblings and thoughts on suicide.

Attempts are made to touch knuckles.

Jazz is activated.

 

Then, from midnight onwards,

*rogue elements* are introduced.

Crepuscular statements and scratchy pencils

float out from behind each mirror.

 

The man at the table next to us

sings ‘Yesterday’ through a laryngophone.

A baby riding a smooth black pig

crashes through the mocked-up saloon.

 

Every ten minutes I visit the bathroom and take a reading.

(Results as follows)

 

 

5. Results
The night resembles a parabola curve,

curiosity rising with the humidity.

And when the thick, blood-red line

surfaces like an insane, contaminated salmon,

it survives ten minutes,

barely,

before floating back down below the zero.

 

 

6. [Discussion]

 

A predominantly unsuccessful experiment

compared to solo results in the lab.

 

Prior research proved inadequate.

Alcohol safeguards were critically missing.

 

Lack of reaction can most probably be attributed

to persistent mispronunciation of jalapeno,

 

compounded by the glass eye

of an unconvincing waiter

 

who pushed us beyond the expected anxiety buffer-zone.

All present were in agreement

that the pig should have been introduced earlier.

 

Without doubt, the experiment works in theory,

simply failing in transition from page to appliance.

 

Thus, we conclude, for now at least:

not a great day for Love,

but not a bad day for Science.

 

© Ross Sutherland


 

Experiment zum Nachweis der Existenz der Liebe

 

1. Die Hypothese

 

Ich schlage vor, falls wir zusammenstießen,

würden unsere Verbindungen, wie Leute, einen Verband bilden.

Sodann, schnitten wir erst die Kontrolle weg,

würde Liebe (L) evident –

 

da ich fest davon überzeugt bin,

dass unsere Diagnose

dieses flüchtige, verblüffende Element birgt.

 

 

2. Apparat

 

Nehmen wir den Mond, tief gehängt qua Kommentar;

tu unsere letzten Serotoninreserven dazu.

Bräunungsstreifen, Mundwasser,

Charlie Parker, Kerzenwachs,

ein Busfahrschein, Humber,

ein paar drollige JPEGs,

so wie sie ihr Bein ins wartende Auto hebt, zwei Winter,

ein verblichenes Poster, zeigt Lakshmi,

eine Statistenrolle unter Tausenden,

eingerechnet mindestens zwei Doppelstöckige

 

(die Brille, meine Süße, ist kein Muss).

 

 

3. Schaubild

 

Der erste Entwurf ist einfach; Toilettenschmierereien.

Pfeile, die auf offensichtliche Organe gerichtet sind.

Ein schneller Aufriss der Seele,

selbst der treffliche John Vennwürde erröten

 

Merke wohl! Das hier ist keine Skala.

Nur Funktionsvorgänge und Ausrichtung von Daten.

Die Flussdiagramme stapeln sich wie ausgemusterte Kühlschränke,

das Herz mit Spaghetticode schreiben.

 

Sodann die Geister jeder Fehleinschätzung,

jeder Blickwinkel, gelöscht, neu entworfen, sie alle

erscheinen gleichwertig in deinem messgeschieberten Auge, untilgbar fürs Tippex der Zeit.

 

In ihrem Endstadium widerspiegeln die Wirbel

Spirale, die subatomaren Daten das Ganze.

Das Herzfraktal. Die klinische Sicht.

Der geborstene Leib. Der Schnitt; blutet nicht.

 

 

4. Methode

 

Wir fangen mit Kontrolldaten an:

Ankreuzkästchenstimuli sind, wie wir wissen, vertrauenswürdig.

Ernährung diskutieren wir,

und den Zustand der Bürgersteige.

 

Um 22 Uhr, fortgeschrittene Testphase:

Geschwisterargwohn und Selbstmordgedanken.

Es werden Anstalten gemacht, Knöchel zu berühren.

Jazz wird ausgelöst.

 

Dann, von Mitternacht an,

sind *rogueelements* im Spiel.

Schummrige Ansagen und kratzende Stifte

treiben hinter jedemSpiegel hervor.

 

Der Mann an unserm Nachbartisch

singt „Yesterday“ durch sein Laryngophone.

Ein Säugling reitet ein glatthäutiges schwarzes Schwein

prescht durch die Attrappe des Salons.

 

Alle zehn Minuten suche ich das Bad auf und lese ab.

(Ergebnisse folgen)

 

 

5. Ergebnisse

 

Die Nacht gleicht einer Parabelkurve,

mit der Neugier steigt die Luftfeuchte.

Und sollte die dicke, blutrote Linie

auftauchen wie ein durchgeknallter, verseuchter Salm,

wird er zehn Minuten überleben,

gerade so eben,

ehe er wieder unter die Null zurücktreibt.

 

 

6. [Diskussion]

 

Ein vorwiegend gescheitertes Experiment;

verglichen mit einzelnen Laborergebnissen

 

Voruntersuchungen erwiesen sich als unzulänglich.

Sicherheitsvorkehrungen gegen Alkohol unterblieben bedenklicher Weise.

 

Verminderter Reaktionsfähigkeit kann die anhaltend falsche

Aussprache von Jalapeno höchstwahrscheinlich zugeschrieben werden,

 

verbunden mit dem Glasauge

eines nicht überzeugenden Kellners,

 

der uns jenseits der erwarteten Angst-Pufferzone schob.

Alle Anwesenden waren einer Meinung,

dass das Schwein eher hätte ins Spiel gebracht werden sollen.

 

Zweifelsohne funktioniert das Experiment in der Theorie,

und scheitert bloß auf dem Weg zur Anwendung.

 

Infolgedessen kommen wir vorerst zur Schlussfolgerung:

Kein bedeutender Tag für die Liebe,

indes kein schlechter Tag für die Wissenschaft.

 


© Deutsche Nachdichtung: Konstantin Ames

[deutsche Nachdichtung: weiter unten]

 

My dad hijacks a nuclear warhead

and threatens to launch it

at the Statue of Liberty

if his demands are not met.

 

He salutes a wall of televisions;

sallow-skinned agents are activated in Honduras,

followed by Washington, Rome, Peru,

each with a briefcase handcuffed to their wrist

and a scorpion tattooed on one buttock.

 

Dad puts a bullet through his general’s eye.

There are reports of a life-sign inside the perimeter.

Guards are found naked or not at all.

Torture chambers flood with blood.

 

The adventure ends. His army crushed,

my father stands alone on his secret island,

staring into broken radar screens,

sparks raining off his trim, well-decorated uniform.

I pause the video

 

                                   less than a second before

Jean-Claude Van Damme rolls out the darkness,

then edge the film on, frame by frame,

until the image closes in

like hands around a neck

 

and my dad’s eyes dilate for the last time,

lips dribbling scarlet plasma.

 

Then I get down on my hands and knees,

bring my face up to the television set

 

and tell him that sometimes

it’s OK to lose.

© Ross Sutherland


 

 

Mein Papa entwendet einen Atomsprengkopf

und droht damit, ihn bei der

Freiheitsstatue zu zünden

falls man seine Forderungen nicht befolgt.

 

Er grüßt eine Wand aus Fernsehschirmen; Fahlhäutige vom

Nachrichtendienst erhalten Anweisungen, erst in Honduras,

danach in Washington, Rom, Peru,

jeweils qua Aktentasche, an ihr Handgelenk gekettet

und einem Skorpion, auf eine Arschbacke tätowiert.

 

Papa schiebt eine Kugel durch sein Generalsauge.

Es wird von einem Lebenszeichen im Perimeter berichtet.

Wachhabende werden nackt entdeckt oder überhaupt nicht.

Folterkammern sind von Blut durchflutet.

 

So endet das Abenteuer. Seine Armee ist zermalmt,

einsam steht mein Vater da auf seinem verborgenen Eiland

und starrt auf zersprungene Radarschirme,

Funken regnen von seiner gepflegten, reich verzierten Uniform.

Ich halte das Video an

 

                                            weniger als eine Sekunde zuvor

rollt Jean-Claude Van Damme aus der Dunkelheit

schärfte dann den Film, Einzelbild um Einzelbild,

bis das Bild umfasst

wie Hände einen Hals

 

und die Augen meines Vaters weiten sich zum letzten Mal,

aus Lippen tröpfelt scharlachrotes Plasma.

 

Dann gehe ich runter auf Hände und Knie,

hebe mein Gesicht zum Fernsehgerät,

 

und bemerke ihm gegenüber, dass es manchmal

völlig in Ordnung ist zu unterliegen.


© Deutsche Übersetzung: Konstantin Ames

foto ross sutherland_(c) James Lyndsay_sw2

Foto: (c) James Lyndsay

Biografie 

Ross Sutherland wurde 1979 in Edingburgh geboren und arbeitet als Autor und  Performer, Filmemacher und Dozent in Creative Writing. 2008 wurde er in der Times list of Top Ten Literary Stars of 2008 genannt.  Er veröffentlichte vier Gedichtbände, alle beim Londoner Independent Verlag Penned in the Margins: Things To Do Before You Leave Town (2009), Twelve Nudes (2010), Hyakuretsu Kyaku (2011) und Emergency Window (2012). Weitere Veröffentlichungen in den Publikationen Popshot, Pen Pusher, Rising, Reactions, Tears in the Fence, The Grocer, Fleeting und im NME. Seine Werke wurden außerdem präsentiert im London Science Museum, im Institute for The Future of the Book, außerdem von ADIDAS und vom BBC Radio.

Ross Sutherland kombiniert live seine literarischen Texte mit Stand-Up-Elementen und Visuellem. Dafür arbeitet er mit Illustratoren, Animationszeichnern und Filmemachern zusammen. Unter anderem entstand dabei eine der komplexesten Power-Point-Präsentationen in unseren Breiten.

Er schrieb und produzierte diverse Theatershows. 2005 war er an der Poetry Boyband des Kollektivs Aisle16 beteiligt, die in über 200 Locations im UK gespielt wurde und den Time Out’s Critice’s Choice of the Year-Preis gewann. Es folgten u.a. The Three Stigmata of Pacman (2010) und Comedian Dies In The Middle of Joke (2012). 2010 entstand außerdem das Livespiel Hinterland, das er zusammen mit der Social Gaming Company Hide and Seek entwickelte; die Spieler bewegten sich dabei durch Edingburgh und setzten ein Gedicht zusammen, indem sie Leute ansprachen und Teile aus den Unterhalten auf einen Anrufbeantworter sprachen.

Ross Sutherland veranstaltet die monatliche Lesebühne Homework zusammen mit den anderen Mitgliedern des Dichterkollektivs Aisle16 im Workingmen’s Club in Bethnal Green. Er erhielt u.a. den Time Out Award.

Website von Ross Sutherland

.

Statement

- How did you get into performance poetry?

- I’ve written poetry since I was five. My gran and I used to write together. She would use rhymes to help me remember shopping lists, stuff like that. When I moved to England, we kept in touch through poetry. That was the sole medium of our relationship. 

.

Werke

Video zum Gedicht Things To Do Before You Leave Town

.

Video zum Gedicht My shoes are in love

.

Kritiken zu seinen Poetry-Performances

REVIEWS FROM THE EDINBURGH FESTIVAL FRINGE (AUGUST 2010):

“Ross Sutherland’s debut show melds stand-up, satire and sinuous verse, making the 29 year-old spoken-word artist one of the most exciting new voices to emerge on the Fringe this year. A real star in the making.“ – The Independent

“A forensic Stewart Lee-esque disdain for life’s stupidities. A moving and compelling show which might have you swiftly returning for seconds.“ – The List

“A lack of hype means too many will miss out on Fringe first-timer Ross Sutherland’s remarkable offering. The Three Stigmata Of Pacman is a quirky mix of comedy, multimedia slides and poetry, and puts many more experienced acts to shame with its experimental nature and comic impact.“– Fest Magazine

“Exhilarating and energising.“ – Three Weeks

“Full of Perecian wordplay, some eerie video and a time capsule that looks an awful lot like a plastic, flip-top bin.“ – The Stage

“A Dave Gorman, Lord Of The Rings-esque voyage of personal discovery. With talent like this emerging, the future’s never looked so bright.“– Hairline

.

REVIEWS FOR ITS LONDON RUN (JANUARY 2010):

“Performance poetry is no longer the stuff of lank-haired new romantics breathing heavily into microphones. In the extraordinarily assured hands of Ross Sutherland it has the verbal urgency of rap, the wry self-mockery of stand-up and a linguistic inquisitiveness all of its own” – Time Out, Critic’s Choice Theatre Show Of The Week (21/1/10)

“Thoughtful, articulate and very funny” – Bruce Dessau, Evening Standard

“The talented Ross Sutherland brings philosophy, physics and fun together in a highly entertaining view of society, which transcends the obvious, scintillates with originality and packs a hard-hitting intellectual punch” – Broadway Baby

.

Kritiken zu seinem Gedichtband „Emergency Window“ (2012)

http://exeuntmagazine.com/reviews/ross-sutherland-emergency-window/

http://literateur.com/emergency-window-by-ross-sutherland/

foto ross sutherland_(c) James Lyndsay_sw2

Biografie 

Alle Texte von Ross Sutherland finden Sie im Blog.

Ross Sutherland wurde 1979 in Edingburgh geboren und arbeitet als Autor und  Performer, Filmemacher und Dozent in Creative Writing. 2008 wurde er in der Times list  of Top Ten Literary Stars of 2008 genannt.  Er veröffentlichte vier Gedichtbände, alle beim Londoner Independent Verlag Penned in the Margins: Things To Do Before You Leave Town (2009), Twelve Nudes (2010), Hyakuretsu Kyaku (2011) und Emergency Window (2012). Weitere Veröffentlichungen in den Publikationen Popshot, Pen Pusher, Rising, Reactions, Tears in the Fence, The Grocer, Fleeting und im NME. Seine Werke wurden außerdem präsentiert im London Science Museum, im Institute for The Future of the Book, außerdem von ADIDAS und vom BBC Radio.

Ross Sutherland kombiniert live seine literarischen Texte mit Stand-Up-Elementen und Visuellem. Dafür arbeitet er mit Illustratoren, Animationszeichnern und Filmemachern zusammen. U.a. entstand dabei eine der komplexesten Power Point-Präsentation in unseren Breiten.

Er schrieb und produzierte diverse Theatershows. 2005 war er an der Poetry Boyband des Kollektivs Aisle16 beteiligt, die in über 200 Locations im UK gespielt wurde und den Time Out’s Critice’s Choice of the Year-Preis gewann. Es folgten u.a. The Three Stigmata of Pacman (2010) und Comedian Dies In The Middle of Joke (2012). 2010 entstand außerdem das Livespiel Hinterland, das er zusammen mit der Social Gaming Company Hide and Seek entwickelte; die Spieler bewegten sich dabei durch Edingburgh und setzten ein Gedicht zusammen, indem sie Leute ansprachen und Teile aus den Unterhalten auf einen Anrufbeantworter sprachen.

Ross Sutherland veranstaltet die monatliche Lesebühne Homework zusammen mit den anderen Mitgliedern des Dichterkollektivs Aisle16 im Workingmen’s Club in Bethnal Green. Er erhielt u.a. den Time Out Award.

Website von Ross Sutherland

Foto: (c) James Lyndsay

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Statement

- How did you get into performance poetry?

- I’ve written poetry since I was five. My gran and I used to write together. She would use rhymes to help me remember shopping lists, stuff like that. When I moved to England, we kept in touch through poetry. That was the sole medium of our relationship. 

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Werke

Video zum Gedicht Things To Do Before You Leave Town

.

Video zum Gedicht My shoes are in love

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Kritiken

REVIEWS FROM THE EDINBURGH FESTIVAL FRINGE (AUGUST 2010):

“Ross Sutherland’s debut show melds stand-up, satire and sinuous verse, making the 29 year-old spoken-word artist one of the most exciting new voices to emerge on the Fringe this year. A real star in the making.“ – The Independent

“A forensic Stewart Lee-esque disdain for life’s stupidities. A moving and compelling show which might have you swiftly returning for seconds.“ – The List

“A lack of hype means too many will miss out on Fringe first-timer Ross Sutherland’s remarkable offering. The Three Stigmata Of Pacman is a quirky mix of comedy, multimedia slides and poetry, and puts many more experienced acts to shame with its experimental nature and comic impact.“– Fest Magazine

“Exhilarating and energising.“ – Three Weeks

“Full of Perecian wordplay, some eerie video and a time capsule that looks an awful lot like a plastic, flip-top bin.“ – The Stage

“A Dave Gorman, Lord Of The Rings-esque voyage of personal discovery. With talent like this emerging, the future’s never looked so bright.“– Hairline

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REVIEWS FOR ITS LONDON RUN (JANUARY 2010):

“Performance poetry is no longer the stuff of lank-haired new romantics breathing heavily into microphones. In the extraordinarily assured hands of Ross Sutherland it has the verbal urgency of rap, the wry self-mockery of stand-up and a linguistic inquisitiveness all of its own” – Time Out, Critic’s Choice Theatre Show Of The Week (21/1/10)

“Thoughtful, articulate and very funny” – Bruce Dessau, Evening Standard

“The talented Ross Sutherland brings philosophy, physics and fun together in a highly entertaining view of society, which transcends the obvious, scintillates with originality and packs a hard-hitting intellectual punch” – Broadway Baby

http://exeuntmagazine.com/reviews/ross-sutherland-emergency-window/

http://literateur.com/emergency-window-by-ross-sutherland/

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