[deutsche Nachdichtung: weiter unten]

 

My dad hijacks a nuclear warhead

and threatens to launch it

at the Statue of Liberty

if his demands are not met.

 

He salutes a wall of televisions;

sallow-skinned agents are activated in Honduras,

followed by Washington, Rome, Peru,

each with a briefcase handcuffed to their wrist

and a scorpion tattooed on one buttock.

 

Dad puts a bullet through his general’s eye.

There are reports of a life-sign inside the perimeter.

Guards are found naked or not at all.

Torture chambers flood with blood.

 

The adventure ends. His army crushed,

my father stands alone on his secret island,

staring into broken radar screens,

sparks raining off his trim, well-decorated uniform.

I pause the video

 

                                   less than a second before

Jean-Claude Van Damme rolls out the darkness,

then edge the film on, frame by frame,

until the image closes in

like hands around a neck

 

and my dad’s eyes dilate for the last time,

lips dribbling scarlet plasma.

 

Then I get down on my hands and knees,

bring my face up to the television set

 

and tell him that sometimes

it’s OK to lose.

© Ross Sutherland


 

 

Mein Papa entwendet einen Atomsprengkopf

und droht damit, ihn bei der

Freiheitsstatue zu zünden

falls man seine Forderungen nicht befolgt.

 

Er grüßt eine Wand aus Fernsehschirmen; Fahlhäutige vom

Nachrichtendienst erhalten Anweisungen, erst in Honduras,

danach in Washington, Rom, Peru,

jeweils qua Aktentasche, an ihr Handgelenk gekettet

und einem Skorpion, auf eine Arschbacke tätowiert.

 

Papa schiebt eine Kugel durch sein Generalsauge.

Es wird von einem Lebenszeichen im Perimeter berichtet.

Wachhabende werden nackt entdeckt oder überhaupt nicht.

Folterkammern sind von Blut durchflutet.

 

So endet das Abenteuer. Seine Armee ist zermalmt,

einsam steht mein Vater da auf seinem verborgenen Eiland

und starrt auf zersprungene Radarschirme,

Funken regnen von seiner gepflegten, reich verzierten Uniform.

Ich halte das Video an

 

                                            weniger als eine Sekunde zuvor

rollt Jean-Claude Van Damme aus der Dunkelheit

schärfte dann den Film, Einzelbild um Einzelbild,

bis das Bild umfasst

wie Hände einen Hals

 

und die Augen meines Vaters weiten sich zum letzten Mal,

aus Lippen tröpfelt scharlachrotes Plasma.

 

Dann gehe ich runter auf Hände und Knie,

hebe mein Gesicht zum Fernsehgerät,

 

und bemerke ihm gegenüber, dass es manchmal

völlig in Ordnung ist zu unterliegen.


© Deutsche Übersetzung: Konstantin Ames

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