Bin rausgefahren. Raus aus der Stadt, obwohl ich Reisen verabscheue. Dachte, das andere Licht, der aufdringliche Gestank und das Schnauben der Kälber würde etwas in meinem Kopf gerade rücken.
Jetzt wach ich auf in diesem kleinen Zimmer, in das nicht viel mehr als das Bett passt, in das ich gestern Abend vorsichtig gekrochen bin, als wäre ich ein Eindringling. Nur halb bewusst tastend nach etwas wie einem Gefühl von Geborgenheit (vielleicht Mütterlichkeit? ich weiß es nicht; ich habe den Gedanken nicht weiter verfolgt).
Ich merke, daß ich schweißnass bin. Durch den altmodischen Fensterladen fällt ein greller Lichtstrahl auf mein Gesicht. Pittoresk. Scheiße. Ein Stückchen Himmel. Vielzuviel Sonne.
Aber ich bleibe ganz ruhig liegen, meine Hand findet das iPhone von allein. Kafka, denke ich. Kurzer Blick. 7:03. Grausam früh.
Ich kann mich nicht rühren, will es auch nicht, weil jede Bewegung sich klamm anfühlt; mein Körper dreht den Empfindungsregler auf.
Gekämpft hab ich, geflohen bin ich. Ein Wiehern, ein wuchtiger Körper, Flügel. Erbarmungslos.
Denk an das Stroh draußen, denke ich, denk an kauende Kälbchen. Deswegen bist du doch hier, wegen Kälbchen mit großen Augen und hellen Halmen in der Fresse. Unschuld. Ihre luftigen Fladen ein Ausdruck von absolutem Eins-mit-sich-sein. O Leben, hohes Schnauben!
Ist doch alles nur hingerotzt.
Hölderlin, denke ich. Wohin denn ich? Und da muss ich fast lächeln.

1 Kommentar

  • Rike Bolte

    Mies macht der Flug der Sonne überm
    trübschwarzen Display des Morgens,
    dazu Luft und kalbende Strohhalme:
    inmitten grasigen Saugglockenläutens
    bin ich auf Erde gestoßen!

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