Doppelte Stille. Die Schüsse die Nexus in jener Nacht abgefeuert hatte, versetzen ihn in ein Labyrinth; surreal und still, mehräugig bewacht. Jedoch ein Wunder für ihn. Ein Wunder gesehen, sogar beobachtet zu werden. Eine Beachtung, denen er Schüssen verdankt – sieben oder acht. Also Schüssen, an deren Anzahl er sich gar nicht genau erinnern kann: Hat er sie denn gesehen, konnte er sich dabei beobachten?

 

 

Das Schweigen, das ihm während der Gerichtsverhandlung noch half, scheint zur Bürde geworden zu sein. Das Misstrauen gegenüber der Sprache richtet sich auch gegen das geschriebene Wort. Es bleibt das Reden im Schädel – gleichzusetzen mit Sprache oder Sprachlosigkeit? Und ist Sprache nicht auch eine Art Vergewisserung der eigenen Existenz? Führt das Eingesperrtsein, das Festgehaltenwerden in einem Raum der nicht zu entschlüsseln ist, einem Labyrinth – das Nichtverortbare der eigenen Person – auch zur Nichtexistenz? Oder ist es lediglich ein Schwebezustand der durchbrochen werden kann?

 

 

Kann man nicht mehr über sich erzählen ist man dann auch einfach nicht mehr? Ist das Leben also manipulierbar durch Sprache. War Nexus mit seiner eigenen Geschichte so unzufrieden, dass er sich mit Hilfe der gefallenen Schüsse aus ihr herausfeuern wollte? Oder wollte er sie lediglich umschreiben, einen Wendepunkt für sie finden?

Geht es nicht schließlich hier ums Schrewiben selbst – eine Manipulierbarkeit der Realität, ihre Kontrolle, ihr Erzeugen? Gab es denn diese Toten tatsächlich, diese Gerichtsverhandlung oder war alles ein Reden im Schädel?

 

 

Offen bleibt an Nexus‘ Geschichte auch wofür er Rache üben wollte? An der eigenen Geschichte?

Relativ amüsant, dass der Schlaf hier die Flucht darstellt. Eine Flucht die auf einem Berg Leichen endet…

 

 

Oder wollte Nexus nur der Vernunft entkommen die die Stadt vorgibt, in der er sich scheinbar unbemerkt bewegte, indem er eine irrationale Tat vollbrachte?

Alles wirkt surrael, wirk spekulativ, wenn Nexus von seiner Gabe des zweiten Gesichts berichtet – die ihn sowohl zum Protagonisten  als auch zum Erzähler der Geschichte machen kann.

Wollte Nexus nicht nur die eigene Geschichte ändern, so war die Richtung von ihm vorgegeben. Es ging scheinbar auch darum gesehen zu werden, eine Aufmerksamkeit zu gewinnen, in das Universum, der Anderen vorzudringen, mit der erzwungenen Wendung der eigenen Geschichte eine höhere Frequenz verleihen. Geht es also doch um das Sich –Mitteilen, sucht Nexus doch ein Gespräch das nicht zu Stande kommt und das ihn so zum Schweigen drängt, zur Abkehr von Worten die sich an die Anderen richten? Und führt ihn das nicht wieder in das Universum der Unsichtbaren, der Einsamen zurück? Dabei wollte er doch dann wieder in dieser Welt verbleiben, wollte scheinbar nur eine kurze Dauer von Aufmerksamkeit. Paradox. Auch wenn er von den dreizehn Monaten seines Lebens spricht…. Ach ja, Fragen.

 

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>